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Technology Review

"Wie Google mich von meiner SD-Karte aussperrte"

Überlegen Sie sich gut, ob Sie wirklich Ihr Smartphone oder Tablet auf Kitkat updaten. Denn danach sind Sie nicht mehr Herr Ihrer SD-Karte. Aber es gibt einen Ausweg. Ein Leidensbericht von Jens Lubbadeh.

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Fast zwei Jahre ist es her, dass mich Apple frustriert in die Arme von Google getrieben hat. Erst hatten sie mein iPhone 3 unbrauchbar gemacht, dann wollten sie mir auch noch mein geliebtes weißes Macbook vermiesen. Von Apple hatte ich danach erstmal gestrichen die Nase voll. Ich wechselte zu Android.

Ich kann es einfach nicht leiden, von einem Konzern bevormundet zu werden, dem ich viel Geld für ein Gerät bezahlt habe und der mich spüren lässt, dass das Gerät eigentlich noch immer ihm gehört.

Mit Android war das nicht mehr so. Wie schön war das, endlich mal unkompliziert und frei auf seinen Telefonspeicher zugreifen zu können – einfach dranstöpseln das Ding und Musik und Allesmögliche rüberkopieren. Ohne iTunes- und Update-Zwang.

Irgendwann schlug mir Sony vor, auf meinem Tablet das Update von 4.2 auf 4.4 zu machen. Ich klickte auf „ok“. Ein Fehler. Denn danach war es vorbei mit der Freiheit. Android 4.4 entzieht Apps und dem User das Recht, auf seine eigene SD-Karte zu schreiben.

Der einzige mir noch bleibende Weg, Dateien darauf zu spielen, war das grottenschlechte Google-Programm „Dateiübertragung für Android“. Ich kenne die Windows-Version nicht, aber die Mac-Variante ist eine Beleidigung für den Begriff „Software“. Sie stürzt pro Nutzung mehrfach ab. Dieses Programm ist unnutzbar und damit nutzlos.

Damit hat Google mich von meinem Besitz, der SD-Karte, enteignet. Ich bin erst sprachlos. Und dann wütend.

Warum Google das macht? „Die Schreibrechte zu beschneiden, ermöglicht es dem System Dateien aufräumen zu können, wenn Apps deinstalliert werden“, heißt es schnöde in der Android-Dokumentation von Google. Willkommen in Absurdistan. Der wahre Grund dürfte wahrscheinlich gewesen sein, dass die Hersteller – inklusive Google – gerne mehr teuren internen Speicher und Cloudspace verkaufen möchten. Tod Liebeck, Entwickler des FX File Explorers, der sich mit den wütenden Klagen der ahnungslosen Kitkat-Opfer herumärgern muss, spricht von einem „grauenvollen Fehltritt“ Googles.

Angekündigt hatte Google diesen fundamentalen Einschnitt nicht. Umso größer der Aufruhr unter den Usern, die nun scharenweise in den Root getrieben werden. Denn hat man sein Android-Gerät entsperrt, kann man per SDFix dem Spuk ganz schnell ein Ende bereiten und wieder die Souveranität über seine eigene SD-Karte erlangen.

Für mich aber war das leider nicht so einfach. Für das Xperia Z Tablet ist der Root komplizierter als für Samsung-Geräte. Und auf Experimente in Sachen Root habe ich keine Lust mehr. Die haben mich schon zu viele Stunden meines Lebens gekostet.

Nach langem Suchen stolpere ich in einem Entwicklerforum über den Begriff „Towelroot“. Der soll ganz einfach funktionieren: Einfach auf die Webseite gehen, App herunterladen, installieren, Neustart – und man ist frei.

Es war der schönste Neustart meines Android-Lebens. Es war der Anfang vom Ende des Updatens. Und es war der Anfang vom Warten auf Ubuntu für Smartphones. (Jens Lubbadeh) / (jlu)

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