Wie man den Fernseher vor Zuschauern schützt

Fernseher in den USA müssen bald die Aufnahme von Sendungen in hoher Qualität verhindern können -- womöglich erst der Anfang zu einer generellen Steuerung, was Zuschauer mit dem empfangenen TV-Signal anstellen können.

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Von
  • Sascha Mattke

In den USA verkaufte Fernseher müssen bald so ausgestattet sein, dass sich durch ein bestimmtes mitgesendetes Signal eine Aufnahme der empfangenen Inhalte in hoher Qualität verhindern lässt. Die so genannte "Broadcast Flag" wird vom Film-Verband MPAA gesetzt, ein Chip im Fernseher erkennt sie und schaltet dann die hochwertigen Digitalausgänge inaktiv. Die Regelung tritt am 1. Juli 2005 in Kraft, schreibt der IT-Kenner Simson Garfinkel in seiner neuen Kolumne für Technology Review.

Laut Garfinkel wollen die Hollywood-Studios damit verhindern, dass Programme in bester -- bald digitaler -- Qualität aufgezeichnet und anschließend in Tauschbörsen weltweit angeboten werden. In den USA gebe es kaum Kritik an der Regelung, weil sie Kundenrechte nicht übermäßig beeinträchtige und vor Piraterie schütze. Garfinkel selbst allerdings bezeichnet den Zwangschip als "Trojanisches Pferd": Einmal installiert, könnte er zur immer feineren Steuerung des Fernsehers genutzt werden. Er könnte das Überspringen von Werbepausen, das zeitversetzte Sehen und sogar das Umschalten während einer Sendung verhindern.

Garfinkel weist darauf hin, dass es, wenn es nach der Filmindustrie gegangen wäre, heute keine Videorecorder geben würde. Damit würde es auch keine Camcorder, keine Amateur-Video-Produktionen keine unabhängigen Filmemacher geben -- "eine ganze Generation voller Kreativität und politischer Veränderungen wäre verloren gegangen". Sein Fazit: "Bürger einer technisch orientierten Demokratie dürfen Hollywood keinen Platz an dem Tisch einräumen, an dem ihre Zukunft entworfen wird."

Die Kolumne von Simson Garfinkel in Technology Review:

(sma)