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Wii U geht online: Langes Update, flinker Browser

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Das Firmware-Update 2.0 erweitert das Hauptmenü der Wii U um zahlreiche Online-Anwendungen.

Knapp eine Stunde – dann war das Update auf Firmware 2.0.0E geladen und installiert, das Nintendo für seine am Freitag auf den Markt gekommene Spielkonsole Wii U veröffentlicht hat. Erst mit ihm erhalten Anwender Zugang zu den Online-Funktionen der Konsole. So können sie erstmals ein persönliches Nutzerkonto anlegen und mit ihrer E-Mail-Adresse verknüpfen. 13 Jahre beträgt das Mindestalter, um eine Nintendo Network ID zu bekommen. Mit ihr erhalten die Spieler Zutritt zum Miiverse, eine Art eingebautes User-Forum, in dem sich die Nutzer mit kurzen Mitteilungen oder Zeichnungen zu den jeweiligen Spielen äußern können. Jedes Spiel bekommt sein eigenes Forum. Bei "Nintendo Land" tummelten sich am frühen Nachmittag bereits über 60.000, Super Mario hatte in Europa und Ozeanien rund 3700 Fans, ZombiU 2600.

Der eShop hat sich hübsch gemacht und bietet neben kleinen Download-Titeln auch die großen Retail-Spiele an.

Die Network ID ist auch nötig, um im eShop einkaufen zu gehen. Bezahlt wird in Euro mit Kreditkarte (Visa, Mastercard) oder einer eShop-Prepaid-Karte. Im Angebot findet man viele der sonst auf Disc erhältlichen Retail-Spiele, aber auch kleine Spiele, die es nur als Download gibt und die zwischen 8 und 15 Euro kosten. Mit dabei ist etwa das Jump & Run Trine 2, Der Dual-Stick-Shooter Nano Assault Neo, das Feuerspiel "Little Inferno" der Entwickler von "World of Goo", sowie zwei Geschicklichkeitsspiele namens "Chasing Aurora" und "Puddle". Vor dem Kauf kann man sich knappe Beschreibungen durchlesen, Screenshots und Trailer-Videos anschauen. Ein Demo-Bereich ist ebenfalls vorgesehen, bislang aber noch leer.

Die Spiele werden nach dem Kauf in den Flash-Speicher der Konsole geladen. Ist der voll, lassen sich die Daten auch auf einen USB-Speicher oder eine SDHC-Karte kopieren. Diese wird von der Wii U zuvor formatiert, anschließend bleiben nur noch etwa 83 Prozent des ursprünglichen Speicherplatzes übrig. Anders als bei der Wii lassen sich die Download-Spiele aber direkt vom externen Speicher starten und müssen nicht erst umkopiert werden.

Einfach, aber flott: Der Wii-U-Browser zickt zwar bei einigen Videos, sonst macht das schnelle Surfen aber Spaß.

Leider ist die Bedienung des Hauptmenüs auch nach dem Update noch immer nichts für Ungeduldige. Der Wechsel in die Systemsteuerung dauert nach wie vor rund 20 Sekunden. Wesentlich fixer ist der Internet-Browser, der bereits nach fünf Sekunden startklar ist. Bei ihm handelt es sich um einen NetFront NX 2, der auf Apples WebKit-Engine basiert. Auffällig flott baut er die Seiten auf und erlaubt ein flüssiges Scrollen und Zoomen per Touchscreen und den beiden Analogsticks. Auch die Texteingabe über den Touchscreen gelingt problemlos. Das gefühlte Tempo ist deutlich höher als es der Sunspider-Benchmark von 2559,3 ms vermittelt. Die Browser der Xbox 360 und PS3 hängt er klar ab. So taugt er zum flotten Browsen zwischendurch. Abspeichern darf man indes nichts, nur Cookies und Favoriten merkt er sich.

Allerdings beherrscht der Nintendo-Browser nicht alle Formate. Es kann weder Flash noch Java, spielt keine Clips aus den Mediatheken von ARD und ZDF und verweigert sich auch den Heise-Online-Videos, obwohl er H.264 grundsätzlich beherrscht. YouTube und Vimeo sind kein Problem, ebenso wenig Tagesschau.de und YouPorn (in der Mobilversion). Aber keine Angst: Eltern können den Online-Zugang und die Altersfreigaben der Spiele sperren. Die Wii U legt für jeden Spieler ein Nutzerkonto an, bei dem sich die Freiheiten in punkto eShop, Miiverse, Chat und Browser einzeln einstellen lassen. Dann bleiben auch die Porno-Seiten aus dem Kinderzimmer. Nur die maximale Spielzeit lässt sich nicht vorgeben. Zugriff auf HD-Filme von YouTube hat man zudem über eine separate App, die die neue TV-Oberfläche aufruft – dessen Menüaufbau ist allerdings träge. Die Angebote von LoveFilm und Nintendo TVii waren noch nicht zugänglich.

Zu jedem Spiel findet man im Miiverse ein eigenens Forum. Die meisten Beiträge gehen jedoch über ein kurzes "Hallo, wie geht's!" nicht hinaus.

Segen und Fluch: Mit der ständigen Online-Verbindung halten auch Spiele-Patches in Nintendos Welt Einzug (wie vereinzelt zuvor bereits auf der 3DS). Selbst Titel wie "New Super Mario Bros. U", die keinen Online-Mehrspieler-Modus besitzen, luden heute ein paar Minuten lang erst mal einen Patch herunter, bevor sie starteten. Immerhin kann der Anwender dies unterbrechen und direkt zum Spiel schalten. Die Mehrspieler-Rennen in "Sonic All-Stars Racing Transformed" liefen flüssig, schnell hatte man online zehn Spieler für ein Wettrennen beisammen. Auch Tekken klappte ohne Probleme. Gebühren wie bei der Xbox 360 fallen für die Online-Partien keine an.

Der flotte Browser zeigt, dass Wii-U-Programme nicht zwingend so langsam laden müssen wie die übrigen Apps. Hier sollte Nintendo schleunigst nachbessern, ebenso bei den Film- und Fernsehangeboten. Die eingebauten Spieler-Foren und der überarbeitete eShop machen hingegen einen guten ersten Eindruck. Wenn auch noch einige Bremsklötze stören: Nintendo ist in der Online-Welt endlich angekommen. (hag)

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