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Wiki-Gründer startet politische Wikis

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Der Gründer der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia möchte mit Wikis jetzt auch die Politik aufmischen. In einem offenen Brief ruft Jimmy Wales dazu auf, sich per Wiki aktiv in den kommenden US-Präsidentschaftswahlkampf einzumischen ("Let's ramp up the intelligence of politics.").

"Ich habe keine Ahnung, wie man die Politik gesünder gestalten kann", räumt Wales in seinem Mission Statement ein. Er setzt aber darauf, dass durch Wikis und Weblogs die Wahlkämpfe in Zukunft das Internet immer mehr einbeziehen müssen. "Wenn Kandidaten in Zukunft Wahlen gewinnen wollen, müssen sie von Grund auf partizipative Kampagnen aufbauen", erklärt Wales. Die Zeit der Fernseh-Politiker, die von oben die Agenda bestimmen, sei vorbei. Auf der Plattform Campaigns Wikia sollen Bürger aus dem gesamten politischen Spektrum miteinander diskutieren und zusammenarbeiten. Ob sich die Wiki-Plattform tatsächlich für konstruktive politische Arbeit verschiedener Lager eignet, muss sich noch erweisen. Noch ist der Aufbau der Plattform nicht ersichtlich, Wales vertraut darauf, dass sich die Community selbst zu helfen weiß, um funktionierende Strukturen aufzubauen.

Die technische Infrastruktur bietet die Firma Wikia, die Wales 2004 mit Wikimedia-Vostandsmitglied Angela Beesley gegründet hatte. Im Gegensatz zu den Projekten der Wikimedia Foundation, deren Vorsitzender Wales ist, wird Wikia kommerziell betrieben und finanziert sich über Werbung. Nach eigenen Angaben sind hier derzeit 1500 Wikis in 40 Sprachen online. Zu den Wikia-Investoren gehören Prominente wie Marc Andreessen, Dan Gillmor und Joichi Ito.

Die Wikipedia ist in der Vergangenheit schon öfters zum Schauplatz politischer Grabenkämpfe geworden, obwohl in der Online-Enzyklopädie Neutralität das höchste Gebot ist. So wurden im Februar die Edits aus dem IP-Netz des US-Kongresses untersucht und diverse Vandalismen in Artikeln zu politischen Themen entdeckt. Im April musste der Wahlkampfleiter der Gouverneurskandidatin Cathy Cox zurücktreten, weil er für Änderungen im Artikel des politischen Gegners verantwortlich gemacht wurde.

Solchen unerwünschten Beiträgen in der Wikipedia will Jimmy Wales künftig besser begegnen. In einem Gespräch mit der c't äußerte sich Jimmy Wales zu den künftigen Kursänderungen bei der Online-Enzyklopädie und kündigte die Einführung stabiler Artikelversionen an. Das vollständige Interview erscheint in der c't 15/2006, die am kommenden Montag im Handel erhältlich ist. (Torsten Kleinz) / (anw)

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