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Wiki-News für China

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Das kollaborative Nachrichtenportal Wikinews ist heute auch in chinesischer Sprache online gegangen. Wegen der chinesischen Internetzensur ist die Webseite derzeit nur über Umwege von Bürgern der Volksrepublik China abrufbar. Das Projekt wird wie die freie Enzyklopädie Wikipedia von der Wikimedia Foundation verantwortet. Auch bei Wikinews werden die Artikel von den Nutzern selbst geschrieben und überarbeitet.

Der Start der Ausgabe in chinesischer Sprache war schon im Dezember 2004 von der Wikimedia Foundation auf den Weg gebracht worden. In einer ersten Abstimmung zeigten sich aber starke Vorbehalte gegen das Projekt. Besonders chinesische Nutzer befürchteten, dass ein Nachrichtenportal die Aufmerksamkeit der chinesischen Zensoren erregen würde und der Zugriff auf alle Schwesterprojekte erschwert werde.

Diese Sorge wurde durch die aktuellen Entwicklungen überholt: Auch ohne Newsportal ist die Wikipedia in die Mühlen der chinesischen Zensur geraten, wurde mehrfach gesperrt und wieder zugänglich gemacht. Seit mehreren Monaten wird das Projekt ununterbrochen für chinesische Internetuser gesperrt – eine erneute Freigabe steht nicht in Aussicht. In Hongkong und Taiwan sind die Wikis problemlos erreichbar.

Trotz der Internet-Sperren glaubt Wikinews-Initiator Erik Möller an einen Erfolg der Wikinews. "Ich gehe davon aus, dass die aktive Gemeinschaft der chinesischen Wikipedianer Mittel und Wege finden wird, die Zensur zu umgehen." So ist es möglich, per Proxy oder Anonymisierungsnetzwerke wie Tor auf die Wikipedia zuzugreifen. Die Zensurmaßnahmen beträfen eher die potenziellen Leser der Wikinews.

In den ersten Stunden sind schon mehrere Nachrichten online gegangen. Sie befassen sich mit Neuigkeiten aus dem Sport, aber auch mit politischen Ereignissen wie den Unruhen in Thailand oder dem Tod von Serbiens Ex-Präsident Slobodan Milosevic. Derzeit ist es für jeden Internetnutzer möglich, sich ohne Anmeldung an Wikinews zu beteiligen. Meist beziehen sich die Artikel auf in anderen Medien publizierten Informationen, es werden aber auch selbstrecherchierte Berichte der Wikipedianer zugelassen. Die Kontrolle erfolgt wie bei den anderen Wikimedia-Projekten durch die anderen Leser. (Torsten Kleinz) / (anw)