Wikileaks: Bundesdatenschützer prangert "Datensammelsucht" an

Peter Schar fordert ein radikales Umdenken bei der Speicherung persönlicher Daten. Auch der Chaos Computer Club meint, je mehr Daten gespeichert werden, desto eher könnte die jemand mitnehmen.

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  • dpa

Als Reaktion auf die Veröffentlichung tausender vertraulicher US-Diplomaten-Berichte hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar ein radikales Umdenken bei der Speicherung persönlicher Daten gefordert. "Wir brauchen nicht immer mehr, sondern weniger Daten, und die Daten müssen ordentlich geschützt werden", sagte Schaar der Neuen Osnabrücker Zeitung. Sonst sei zu befürchten, dass demnächst nicht nur diplomatische Korrespondenz, sondern ärztliche Diagnosen, Strafakten oder andere sensible Informationen ihren Weg in das Internet fänden.

Die seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 vor allem in den USA grassierende "Datensammelsucht" sei "ein Risikofaktor, der kaum zu beherrschen ist", sagte Schaar. Dirk Engling, Sprecher des Chaos Computer Club (CCC), sagte dem Radiosender MDR Info, er teile die Befürchtungen des Bundesdatenschutzbeauftragten. Seit vielen Jahren nähmen die von staatlichen und privaten Stellen gesammelten Datenmengen beständig zu. Und damit steige auch die Gefahr, dass jemand Daten mitnehme. "Man denke sich nur, dass der gesamte Datensatz, der jetzt bei Wikileaks veröffentlicht worden ist, auf eine SD-Karte von der Größe eines Fingernagels draufpasst."

Seit Langem seien es nicht mehr nur Hacker, die Daten mitnähmen. Engling verwies in diesem Zusammenhang auf das Thema Industriespionage: "Innentäter sind seit jeher das große Gefährdungspotenzial, und nicht Hacker, die von draußen das System infiltrieren." Wenn man in einem Betrieb schon den Mitarbeitern Daten zugänglich machen müsse, sollte man diese Daten wenigstens nicht für ewig herumliegen lassen.

Deshalb rufe der CCC seit 20 Jahren zur Datensparsamkeit auf. Derzeit sei im öffentlichen Raum aber eine Datensammelwut ausgebrochen. "Unser Innenministerium sammelt ja auch an allen Stellen, versucht über die Vorratsdatenspeicherung auch noch intimste Details über das Kommunikationsverhalten der Bürger zu sammeln." Und wenn dies dann in den Datenbanken herumliege, bestehe immer die Gefahr, dass das in die falschen Hände gerate und veröffentlicht werde.

Die Internet-Plattform Wikileaks hatte am Wochenende die Veröffentlichung von mehr als 250.000 vertraulichen Dokumente aus US- Botschaften gestartet. Darin lassen sich zum Teil äußerst kritische Kommentare über zahlreiche Staats- und Regierungschefs finden. Zudem soll das US-Außenministerium seine Diplomaten aufgefordert haben, persönliche Daten von ausländischen Führungspersönlichkeiten zu beschaffen. (anw)