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Wikileaks-Whistleblower Manning hofft auf Begnadigung durch Obama

Der zu 35 Jahren Haft verurteilte Wikileaks-Informant Bradley Manning (in Zukunft: Chelsea Manning) will künftig als Frau leben. Das ließ der 25-Jährige über seinen Anwalt David Coombs im TV-Sender NBC mitteilen.

Der TV-Sender veröffentlichte zudem eine schriftliche Erklärung von Manning unter dem Titel "The Next Stage of My Life": Sie wolle allen danken, die in den letzten drei Jahren für Unterstützung gesorgt hätten, besonders "Courage to Resist" (einem Netzwerk zur Unterstützung von Soldaten, die Kriegseinsätze verweigerten) und dem "Bradley Manning Support Network". "Ich trete nun in die nächste Phase meines Lebens ein, und ich möchte, dass jeder mein wahres Ich kennt. Ich bin Chelsea Manning. Ich bin eine Frau. Angesichts der Art, wie ich fühle, und wie ich seit meiner Kindheit gefühlt habe, möchte ich so schnell wie möglich eine Hormon-Therapie beginnen. Ich hoffe, dass ihr mich bei diesem Übergang unterstützt. Und ich fordere euch auf, dass ihr, beginnend mit dem heutigen Tag, euch mit meinem neuen Namen an mich wendet und die weibliche Anrede benutzt (mit Ausnahme offizieller Nachrichten an das Gefängnis)." Unterschrieben ist die Erklärung mit Chelsea E. Manning.

Chelsea Manning hatte sich nach der Verkündung des Strafmaßes von 35 Jahren Haft gefasst gezeigt: "Es ist OK. Es ist in Ordnung. Du hast Dein Bestes getan. Ich werde OK sein, ich schaffe das schon, dies durchzustehen", sollen ihre Worte Coombs zufolge gewesen sein. Militärrichterin Colonel Denise Lind hatte als Strafmaß im Prozess gegen Manning 35 Jahre Haft verhängte, unter anderem für den Verrat von Militärgeheimnissen; sie wird zudem unehrenhaft aus der Armee entlassen. Manning war vom schwersten Vorwurf, der "Unterstützung des Feindes" freigesprochen worden, die Richterin befand sie aber in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig. Verurteilt wurde Manning wegen fünf verschiedener Verstöße gegen Anti-Spionage-Gesetze sowie Diebstahl und Computerkriminalität.

Anwalt Coombs geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Manning wegen guter Führung in sieben Jahren auf Bewährung auf freien Fuß komme. Zudem will er ein Gnadengesuch direkt an US-Präsident Barack Obama richten. Das Weiße Haus reagierte darauf zunächst kühl: Das Gesuch werde geprüft – wie alle anderen, kündigte ein Sprecher an.

Schon im Gerichtsverfahren hatten Zweifel an Mannings eigener sexuellen Orientierung und die Probleme damit im rigiden Militärumfeld eine wichtige Rolle gespielt. Verkompliziert wird Mannings Entscheidung laut dpa, weil ihre voraussichtliche Haftanstalt in Fort Leavenworth (US-Staat Kansas) keine Hormontherapie für Gefangene ermöglicht. Anders als in Zivil- sei das in Militärgefängnissen nicht vorgesehen. Coombs sagte, Manning werde nicht beantragen, in ein Frauengefängnis transferiert zu werden. Er mache sich keine Sorgen um die Sicherheit seiner Klientin, wenn diese als weibliche Insassin in der Haftanstalt sei. "In einem Militärgefängnis ist jeder ein Erststraftäter. Diese Soldaten haben etwas falsch gemacht und sie versuchen wirklich, ihre Zeit abzusitzen und dann rauszukommen." (jk)

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