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Wikileaks.de: Domain-Registrar widerspricht Angaben des Wikileaks-Projekts

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Der Streit zwischen den Betreibern des deutschen Wikileaks-Projekts und dem Hamburger Domain-Registrar Beasts Associated über die Gründe der aktuellen Nichterreichbarkeit von wikileaks.de wird jetzt über die Öffentlichkeit ausgetragen. Wikileaks hatte Ende vergangener Woche eine Pressemitteilung herausgegeben, in der zunächst die in Frankfurt ansässige Registrierungsstelle für .de-Domains, Denic, beschuldigt wurde, wikileaks.de "ohne Vorwarnung" gesperrt zu haben. Die deutschen Behörden hätten damit offenbar versucht, "eine ganze Presseorganisation wegen einem von hunderttausenden Dokumenten zu schließen", heißt es noch am heutigen Dienstag auf der weiterhin erreichbaren Seite wikileaks.org. Dabei wurde ein Zusammenhang mit der Veröffentlichung einer australischen Internet-Zensurliste auf Wikileaks und der anschließenden Hausdurchsuchung beim Inhaber der Domain wikileaks.de, Theodor Reppe, hergestellt.

Die Denic setzte sich jedoch in Person von CEO Sabine Dolderer gegen die erhobenen Vorwürfe zur Wehr und warf den Wikileaks-Betreibern vor, "eine Pressemitteilung mit ungeprüften Anschuldigungen" herausgegeben zu haben. Zwar gibt es bislang keine Entschuldigung seitens Wikileaks zu dem Vorgang (und auch keine deutliche Korrektur der Informationen auf der Website) – dafür aber eine neue Schuldzuweisung: Während Beasts Associated angibt, bereits Anfang Dezember 2008 den mit Reppe geschlossenen Rahmenvertrag wegen "nicht vertragsgemäßen Verhaltens" gekündigt und die zum 30. März wirksame Kündigung "via eMail, Fax und per Post an die uns bekannten Adressen versendet" zu haben, beruft sich Wikileaks auf ein Telefonat mit der Supporthotline im Januar, bei dem "abgemacht" worden sei, dass Reppes Domains (darunter auch wikileaks.de) "nicht vor Ablauf der schon bezahlten Zeit" transferiert würden.

Es sei verwunderlich, dass sich der Kunde eine solche Abweichung von der unbestrittenen Kündigung nicht hat schriftlich geben lassen, schreibt Beasts Associated in einer heute veröffentlichten Stellungnahme (PDF-Datei). Bisherige und aktuelle Anfragen, auch bezüglich der Kündigung, seien schriftlich an das Ticketsystem erfolgt. Zum Grund des "nicht vertragsgemäßen Verhaltens" will sich Beasts Associated erst äußern, wenn "eine schriftliche Einverständniserklärung seitens des Domain-Inhabers" vorliegt. Es ist aber anzunehmen, dass der Grund im Zusammenhang mit einem Vorgang im November 2008 steht. Damals hatte Theodor Reppe einen Antrag zum Transfer der Domain bnd.de (Bundesnachrichtendienst, BND) gestellt. Laut Wikileaks ging es dabei um eine "nicht den Richtlinien entsprechende Registrierung der Internet-Domain". So sei die Domain zum Beispiel "nicht auf eine physische Adresse", sondern "auf ein Postfach" registriert worden.

Um die "Ungleichheit der Anforderungen für den BND gegenüber einer normalen Registrierung" zu testen, habe Reppe dann den Antrag zum Transfer der bnd.de-Domain bei Beasts Associated gestellt. Diesen lehnte der Domain-Registrar jedoch unter dem Hinweis ab, dass es sich "hierbei – unschwer zu erkennen – um die Domain des Bundesnachrichtendienstes handelt". Bis zur Klärung des Vorfalls würde man Reppes Account sperren. Für ein kleines Unternehmen wie Beasts Associated mit wenigen Mitarbeitern wohl keine erfreuliche Aussicht, wenn ein Kunde gerade versucht, sich die Domain des Bundesnachrichtendienstes zu schnappen. Wikileaks impliziert nun, dass womöglich Druck auf Beasts Associated ausgeübt worden sein könnte, das Unternehmen beteuert aber, dass es "keine Kontaktaufnahme mit uns seitens einer deutschen Behörde" gab.

Was den Zeitpunkt der Übergabe der Domain "wikileaks.de" – von deren Existenz im eigenen Domain-Bestand Beasts Associated eigenen Angaben zufolge bis zu einer Anfrage am 11. April im Übrigen nichts gewusst haben will, "da Domain-Bestellungen automatisiert ablaufen" – in den Transit und damit die Nichterreichbarkeit der Domain seit dem vergangenen Donnerstag betrifft, räumte Unternehmensleiter Daniel Teixeira im Gespräch mit heise online ein, dass dieser wohl tatsächlich "etwas unglücklich" gewählt worden sei. Das habe aber vor allem mit "unterschiedlichen Arbeitspegeln" zu tun gehabt. "Was ich mir jetzt vor allem wünsche, ist eine direkte Stellungnahme von Herrn Reppe", verdeutlicht Teixeira. Bislang würden Angaben zu der Sache über das Wikileaks-Portal veröffentlicht, und da wisse man nicht, wer das jetzt verfasst hat. (pmz)