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Wikileaks gibt Hinweise auf die von OpenLeaks zu löschenden Daten

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Eine Reihe von Tweets von Wikileaks lässt Rückschlüsse auf den Inhalt der Dateien zu, die der ehemaligen Mitstreiter und OpenLeaks-Gründer Daniel Domscheit-Berg bei seinem Abschied von Wikileaks mitgenommen hat und nun unter notarieller Aufsicht löschen will. Die von Wikileaks genannten Details lassen darauf schließen, dass ein Gutteil des zu löschenden Materials längst auf anderen Wegen an die Öffentlichkeit gelangt ist und Whistleblower sich nicht auf Wikileaks oder OpenLeaks verlassen.

Dabei geht es unter anderem E-Mails von NPD-Mitgliedern: "We can confirm that the claimed DDB destroyed data included more than 60.000 emails from the NPD". Die Zahl 60.000 stimmt dabei mit Informationen der tageszeitung (taz) überein, die im Februar 2011 von dem Blatt als Nazi-Leaks aufgearbeitet worden waren. Die 60.000 e-Mails mit unbekannter Quelle gingen auch an die Tagesschau, den Spiegel und den Freitag.

Weiter geht es nach Angaben von Wikileaks dabei um US-amerikanische Abhör-Anweisungen für mehr als hundert Internet-Firmen, Interna von Neonazi-Organisationen, 5 Gigabyte Daten von der Bank of America sowie eine Kopie der No-Fly-Liste der USA.

Details wie die Größenangabe des Pakets mit den Bankdaten weisen darauf hin, dass mindestens ein Mitarbeiter von Wikileaks die Einlieferungen von Whistleblowern genauer unter die Lupe genommen hat. Ein Teil des Materials der Bank of America wurde offenbar bereits im März 2011 von der Hackergruppe Anonymous veröffentlicht, die seinerzeit eine weitreichende Kooperation mit Wikileaks angekündigt hatte.

Nicht von Wikileaks bestätigt wurde ein geheimes Gutachten über die BayernLB-Affäre, das im April von der Aktivisten-Organisation Attac geleakt worden war. Gegenüber Zeit Online hatte Attac damals angegeben, als Leaker für Wikileaks eingesprungen zu sein.

[Update: Unterdessen stellt der Open-Leaks-Gründer im Hinblick auf einen Bericht des Spiegel fest, dass die Daten noch nicht gelöscht worden seien: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist nur das Schlüsselmaterial gelöscht. Zum weiteren Verlauf der Aktion wird es eine gesonderte, ausführliche Darstellung geben, die auch auf das Entstehen der Dateisicherung eingeht", sagte Domscheit-Berg gegenüber heise online.]

[2. Update: Ein Leser weist darauf hin, dass Julian Assange bereits im Oktober 2009 von 5 GByte Daten über die Bank of America gesprochen hat. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Submission-Queue noch nicht, die vom Januar 2010 bis September 2010 aktiv war. Zu seinem Rausschmiss sicherte Daniel Domscheit-Berg nach eigenen Angaben nur Whistleblower-Einreichungen, die in dieser Queue abgelegt wurden.] (vbr)

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