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Wikimania: Ein legales Fundament für den Umgang mit freien Inhalten

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Lawrence Lessig, Begründer der Creative Commons-Lizenzen und Vordenker eines neuen Umgangs mit geistigem Eigentum, hat sich auf der Konferenz Wikimania für eine Neuordnung der freien Lizenzen ausgesprochen. Mit einer Angleichung der Lizenzen will Lessig verhindern, dass sich "Inseln freien Wissens" herausbilden.

Der Vortrag Lessigs fand das Interesse vieler Wikipedianer. Auf dem Campus der Harvard Law School referierte Lessig über freie Inhalte. Er forderte die Zuhörer auf, die Freiheit zu praktizieren, freie Inhalte und freie Software zu produzieren und weiterzuverbreiten. Nur so könne wieder eine Read-Write-Kultur geschaffen werden.

Diese Read-Write-Kultur, die sich durch Teilnahme vieler Menschen an kulturellen Leistungen auszeichnet, manifestiere sich derzeit besonders in der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia, an der jeder Leser mitarbeiten kann. Erst im 20. Jahrhundert habe sich eine Read-Only-Kultur herausgebildet. "Niemals zuvor in der Geschichte menschlicher Kultur, war die Erzeugung von Kultur so konzentriert, nie zuvor war sie so professionalisiert", sagte Lessig. Im 21. Jahrhundert sei die Zeit gekommen, diesen Prozess wieder umzudrehen.

Lessig sprach aber auch Probleme mit freien Inhalten an, die sich seiner Ansicht nach in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Bisher hätten sich viele Kräfte auf die technischen Aspekte der freien Inhalte beschränkt. "Wir müssen der Freiheit auch ein legales Fundament geben", forderte Lessig. Er beklagte dabei besonders die Inkompatibilität verschiedener freien Lizenzen: "Es ist nicht möglich Wikipedia-Inhalte mit Bildern oder Filmen unter Creative-Commons-Sharealike-Lizenzen mischen, ohne die Lizenzbedingungen zu verletzen." Ergebnis seien Inseln freien Wissens, die nicht miteinander verbunden seien.

"Wir brauchen eine Grundlage wie das TCP/IP-Protokoll, das die Interoperabilität der freien Inhalte herstellt und es ermöglicht, Inhalte unter der einen Lizenz auch unter einer anderen Lizenz zu nutzen", sagte Lessig. So sagten die GNU Free Documentation License und die Creative Commons Attribution-ShareAlike-Lizenz das Gleiche aus: die Inhalte sollen frei genutzt und verändert werden können, solange die Urheber genannt und die Ergebnisse unter einer entsprechenden Lizenz weiter vertrieben werden. Die juristischen Unterschiede zwischen den Lizenzen sollten überbrückt werden. Die freien Lizenzen könnten in Wettbewerb miteinander treten und eventuelle Schwächen einzelner Lizenztexte ausgleichen.

Um dieses juristische Kunststück zu vollbringen, schlägt Lessig vor, die jeweils gleichbedeutenden Lizenzen zu zertifizieren. In den Lizenztexten soll eine Klausel eingefügt werden, die die Verwendung des Inhaltes unter gleichartigen Lizenzen erlauben soll. Nach Lessigs Vorschlag soll das Software Freedom Law Center, die Aufgabe übernehmen, die freien Lizenzen koordinieren und zu zertifizieren. Noch bestehe aber Uneinigkeit, wie dieser Prozess zu gestalten sei. Lessig appelierte an die Wikimedia-Gemeinde dieses Vorhaben zu unterstützen.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat bereits vor einiger Zeit die Probleme mit inkompatiblen Lizenzen thematisiert. Im Gespräch mit c't zeigte sich Wales optimistisch, dass mit vereinten Anstrengungen bereits Anfang des nächsten Jahres erste konkrete Ergebnisse dieses Prozesses präsentiert werden können (siehe: Wissenschaftler für Wikipedia, Herausforderungen an Qualität und Organisation der freien Online-Enzyklopädie, c't 15/06. S. 100). (Torsten Kleinz) / (jk)

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