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Wikimedia Deutschland: Alle Fragen offen

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Mit einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins Wikimedia Deutschland sollten am Wochenende die Konflikte ausgeräumt und die zukünftige Strategie des gemeinnützigen Vereins bestimmt werden. Doch die Bilanz des Treffens ist negativ: Weder Vorstand noch Kritiker konnten ihre Anträge durchbringen, das Betriebsklima leidet unter Verdächtigungen.

Das Misstrauensvotum gegen den Vereinsvorstand, das wegen der unabgestimmten Gründung einer Tochtergesellschaft zur Spendenabwicklung angestrengt worden war, erhielt am Samstag in Berlin wenig Unterstützung: 48 Mitglieder stimmten für den Antrag, 128 dagegen. "Ich persönlich sehe das Abstimmungsergebnis als Beweis, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und insbesondere auch viele Bedenken zur Fördergesellschaft ausräumen könnten", erklärt der erste Vereinsvorsitzende Sebastian Moleski.

Doch auch die Pläne des Vorstands erhielten einen Dämpfer: Mit 115 Ja-Stimmen verpasste der Umstrukturierungsvorschlag des Vereins knapp die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Mit der Strukturreform sollte der ehrenamtliche Vorstand von Haftungsfragen entlastet und Verantwortlichkeiten an die hauptamtlichen Mitarbeiter übergeben werden. Der mehr an einer Community-Struktur orientierte Gegenentwurf erhielt nur 50 Stimmen.

Die beiden Vorschläge spiegeln zwei verschiedene Grundhaltungen wider: Eine Fraktion sieht den Verein als Sachwalter einer diffusen Community, der in erster Linie dem Ziel des freien Wissens verpflichtet ist und autonom über die eigenen Prioritäten und die Verwendung der Spendengelder entscheiden soll. Die andere Fraktion ist der Meinung, dass nur durch eine verstärkte Einbindung der Community eine zielgerichtete Verwendung der Mittel möglich ist. Bei der letzten Spendenaktion hatte Wikimedia Deutschland mehr als 2,2 Millionen Euro eingenommen. Das Geld wird zwischen dem deutschen Verein und der US-Stiftung Wikimedia Foundation geteilt. Wie es weitergeht, muss nun auf der kommenden Mitgliederversammlung entschieden werden, die bereits für den 19. März angekündigt wurde.

Eine dritte Gruppe scheint inzwischen auf Fundamental-Opposition gegen jede Vereinsinitiative gegangen zu sein. So wurden unter anderem auf einer Benutzerseite in der deutschsprachigen Wikipedia der Wikimedia- Geschäftsstelle ein Wahlbetrug unterstellt. Dieser Vorwurf wurde von der Leiterin der Zählkommission Debora Weber-Wulff – selbst eine Unterstützerin des Misstrauensantrages gegen den Vorstand – scharf zurückgewiesen: "Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gezählt, und ich halte die hier gemachten Vorwürfe für eine Beleidigung meiner Person, wenn mir Hilfe zum Wahlbetrug unterstellt wird", schreibt sie zu den Vorwürfen. (Torsten Kleinz) / (jk)

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