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Wikimedia Foundation schraubt Ziele zurück

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Der Trägerverein der Wikipedia hat die Ziele für die Entwicklung der Online-Enzyklopädie heruntergeschraubt. In einem am Wochenende veröffentlichten Plan der Wikimedia Foundation für das kommende Geschäftsjahr 2012/2013 räumt die US-Stiftung ein, wesentliche Ziele im vergangenen Jahr nicht erreicht zu haben.

Für das im Juni abgelaufene Geschäftsjahr hatte die Stiftung das Ziel ausgegeben, die Zahl der aktiven Autoren von 90.000 im März 2011 auf 95.000 zu steigern. Doch statt zuzulegen baute die Nutzerbeteiligung nochmal ab: Im März 2012 zählten die Wikipedia-Statistiker nur noch 85.000 Autoren, die mehr als fünf Mal pro Monat aktiv wurden. Für den Juli 2012 rechnet die Stiftung derzeit gar nur mit 79.000 aktiven Wikipedianern. Der Anteil der weiblichen Autoren verharrte bei neun Prozent.

Das langfristige Ziel, die Anzahl der aktiven Autoren bis 2015 auf über 200.000 zu steigern, ist damit in weite Ferne gerückt. Gründe für den Rückgang nennt die Stiftung nicht – geht aber davon aus, dass der Autorenschwund ohne ihre vielfältigen Initiativen stärker ausgefallen wäre. Der Trend habe verlangsamt werden können, "aber nicht gestoppt oder gar umgekehrt". Im neuen Geschäftsjahr will die Stiftung die Zahlen erst einmal stabilisieren: Ein schwaches Wachstum auf 86.000 aktive Autoren im Juni 2013 ist geplant. Ein weltweites Schulungsprogramm soll dazu beitragen, dass mindestens die Hälfte der Teilnehmer weiblich sind.

Große Hoffnungen hatte die Stiftung in den neuen Visual Editor gesetzt, der das Erstellen von Artikeln wesentlich vereinfachen soll. Eigentlich sollte die WYSIWYG-Bedienoberfläche bereits in ersten Projekten im Betrieb sein, wegen technischer Probleme wurde der Start jedoch in den Dezember verschoben. Im Juli 2013 soll das Projekt soweit ausgereift sein, dass es in der Wikipedia zum Einsatz kommt. Von der technischen Front gibt es allerdings auch Erfolge zu vermelden: Die Uptime der Wikipedia-Server wurde gesteigert und die neu überarbeiteten Mobilseiten werden immer häufiger aufgerufen.

Das Projekt Athena, das die veraltete Oberfläche von Wikipedia bis 2015 wesentlich überarbeiten soll, wird in dem Plan nicht erwähnt. Stattdessen will die Stiftung zuerst die Möglichkeiten zum mobilen Upload von Bildern verbessern, um die erfolgreiche Community-Initiative Wiki Loves Monuments zu fördern, bei der Nutzer ihre Bilder von Baudenkmälern hochladen können.

Die Stiftung selbst will weiter wachsen: Die Zahl der Angestellten soll von derzeit 119 auf 174 steigen. Allein im technischen Bereich sollen 30 Stellen geschaffen werden. Damit steigen auch die Kosten. So rechnet die Stiftung im neuen Geschäftsjahr mit Ausgaben von ingesamt 42,1 Millionen US-Dollar (34,4 MillionenEuro) – eine Steigerung um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts solcher Ausgaben hat der Stiftungsrat der Foundation eine Überprüfung der Prioritäten anberaumt. Geschäftsführerin Sue Gardner soll gegebenenfalls Initiativen einstellen, wenn diese nicht mehr zu finanzieren sind. (Torsten Kleinz) / (vbr)

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