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Wikimedia bekommt neue Chefin

Nach langer Suche ist endlich eine Nachfolgerin für die Chefin der Wikimedia Foundation gefunden. Die Stiftung kämpft mit Problemen.

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Lila Tretikov wird künftig die Wikimedia Foundation leiten. Der Vorstand der Stiftung, die unter anderem die Online-Enzyklopädie Wikipedia betreibt, hat die Open-Source-erfahrene Managerin nun als neue Geschäftsführerin vorgestellt. Tretikov war zuletzt als Chief Product Officer von SugarCRM beschäftigt.

Lila Tretikov

(Bild:  Lane Hartwell, Wikimedia Foundation (CC BY-SA 3.0) )

Tretikov tritt ab Juni die Nachfolge von Sue Gardner an, die die Stiftung in den vergangenen sieben Jahren führte. Die ehemalige Journalistin hatte die Stiftung quasi aus dem Nichts aufgebaut. Gardner verlegte das Hauptquartier vom damaligen Wohnort des Wikimedia-Gründers Jimmy Wales nach San Francisco, wo inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter für die Stiftung arbeiten, die fast komplett durch Spenden finanziert wird. Hinzu kommt ein weltumspannendes Netz von Wikimedia-Organisationen. Gardner wird künftig als Beraterin für die Stiftung arbeiten.

Gardner hatte bereits vor einem Jahr ihren Rückzug angekündigt. Vorstandsmitglied Alice Wiegand begründete die lange Suche mit den großen Anforderungen des Chefpostens: "Einzelne Bereiche wie Management vergleichbar großer Organisationen, erfahrungsreicher technischer und produktorientierter Hintergrund, die Bereitschaft, mit einer großen Community zu agieren, hätten schnell abgedeckt werden können." Erst mit Tretikov habe die Stiftung jedoch eine Kandidatin gefunden, deren Persönlichkeit die Weiterentwicklung der Wikimedia Foundation ermögliche. Tretikow ist in Moskau geboren und emigrierte in Ihrer Jugend in die USA, wo sie 1999 eine Karriere in der Software-Industrie startete.

Die neue Wikimedia-Geschäftsführerin steht vor großen Herausforderungen. Denn obwohl der Status der Wikipedia als führendes Nachschlagewerk derzeit nicht angegriffen wird, ist die Online-Enzyklopädie angeschlagen. Nach 13 Jahren Wachstum sinken die Leserzahlen erstmals. Zwar steigen die Zugriffe von Mobilgeräten stark an, doch insgesamt verzeichnet die Stiftung weniger Leser als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Autoren sinkt bereits seit mehreren Jahren. Zudem hat sich zwischen der Wikimedia Foundation und den Communities eine Kluft gebildet. So hat die Stiftung in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand den Visual Editor entwickeln lassen, um Neulingen den Einstieg zu vereinfachen – doch in vielen Wikipedia-Ausgaben wird diese Neuerung immer noch blockiert.

Die unter Gardners Führung erstellten Fünf-Jahres-Ziele sind in weiter Ferne: So waren für Juli 2015 eine Milliarde Leser eingeplant – aktuell liegen die Leserzahlen bei 495 Millionen. Immerhin, das Artikelwachstum übertraf die Prognosen bereits: In den über 200 Sprachausgaben der Online-Enzyklopädie gibt es inzwischen mehr als 31 Millionen Artikel. (Torsten Kleinz) / (anw)

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