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Wikimedia expandiert

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Zuwachs in der Community rund um die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia: Am Sonntag wurde im Schweizerischen Olten der sechste lokale Wikimedia-Verein gegründet. Unterdessen stellt der Verein Wikimedia Deutschland die Pläne für seine Professionalisierung vor: Zum ersten Oktober wird die Geschäftsstelle des Vereins in Frankfurt am Main ihre Arbeit aufnehmen. Geschäftsführer wird Arne Klempert, der bisherige Zweite Vorsitzende des Vereins.

Bereits im Februar hatte Wikimedia Deutschland sein Vorhaben für die Geschäftsstelle angekündigt und die Stelle des Geschäftsführers in mehreren Zeitungsanzeigen öffentlich ausgeschrieben. Insgesamt gingen 65 Bewerbungen ein. Nach einem langen Auswahlverfahren entschied sich der Verein für ein bekanntes Gesicht: Der 34jährige Klempert ist schon seit Vereinsgründung im Juni 2004 im Vorstand von Wikimedia Deutschland und engagierte sich unter anderem als lokaler Koordinator der ersten Wikimedia-Konferenz Wikimania 2005 in Frankfurt.

Derzeit wird die Arbeit der deutschen Wikimedia ausschließlich von Freiwilligen getragen. "Wir erfahren nach wie vor enormen Zuspruch, müssen derzeit aber viele Chancen zur Förderung freien Wissens ungenutzt lassen. Uns fehlt schlicht die Zeit", beschreibt der Erste Vorsitzende Kurt Jansson die aktuelle Situation. So gab es auf der deutschen Mailingliste vor kurzem Kritik, dass sich der Verein nicht genügend um die Rechte der Wikipedia-Autoren kümmere. "Mit der Geschäftsstelle und einem kompetenten Geschäftsführer wollen wir dies ändern und gleichzeitig eine solide Grundlage für weiteres Wachstum schaffen", erklärte Jansson weiter.

"Auch wenn Arne Klempert sein bisheriges Engagement für Wikimedia den Einstieg in den neuen Job sicher erleichtern wird, haben primär die fachlichen Qualifikationen den Ausschlag für die Berufung zum Geschäftsführer gegeben", stellt Jansson zudem klar. "Ich freue mich, dass ich mich künftig mit meiner ganzen Arbeitskraft der Förderung freien Wissens widmen und damit einen größeren Beitrag dazu leisten kann, dass Wikimedia weiterhin wächst und so mit der Entwicklung der Projekte Schritt halten kann", erklärt Klempert.

Klempert soll seine Stelle quasi selbst finanzieren. Die Einrichtung der Geschäftsstelle kann sich der deutsche Verein unter anderem deshalb leisten, weil er an den Einnahmen aus den Verkäufen von Wikipedia-DVDs und auf Wikipedia-Inhalten basierenden Büchern beteiligt wurde. Der neue Geschäftsführer soll für eine Verstetigung der Einnahmen sorgen und um Mitglieder und Partnerschaften zur Förderung des freien Wissens werben. Derzeit sucht der Verein noch geeignete Büroräume in Frankfurt. "Gerne würden wir als Untermieter in ein bestehendes Büro einziehen, zum Beispiel bei einer Firma oder Organisation aus dem Medienbereich", sagt Klempert. "Schließlich müssen wir als gemeinnütziger Verein besonders auf das uns anvertraute Geld achten." Im Gespräch mit heise online bezeichnete Klempert seinen neuen Posten als "Abenteuer" – er zeigt sich jedoch optimistisch, dass sein Engagement nicht nur auf ein Jahr beschränkt sein wird.

Der deutsche Verein war der erste lokale Wikimedia-Verein, der gegründet wurde; darauf folgten Frankreich, Italien, Polen und Serbien-Montenegro. Mit der Schweizer Dependence Wikimedia CH ist nun der sechste Förderverein in Europa entstanden. Ilario Valdelli wurde als Vorsitzender des Vereins gewählt, daneben ein sechsköpfiger Vorstand und drei Pressesprecher für die verschiedenen in der Schweiz gesprochenen Sprachen. Wikimedia CH wird seine erste Feuerprobe schon in Kürze erleben. Der Verein richtet im Juni an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich einen Wikipedia-Day aus. Neben Vorträgen zur Wikipedia soll dort auch ein Schreibwettbewerb abgehalten werden.

Die lokalen Wikimedia-Vereine sind zwar von der Wikimedia Foundation in Florida als Local Chapters anerkannt, haben jedoch keine offizielle Funktion beim Betrieb der Wikipedia und der Schwesterprojekte; sie können weitgehend eigenständig arbeiten. Ursprünglich war geplant, die Wikimedia-Büros in Florida auszubauen und unter anderem einen "Langugage Outreach Coordinator" zu engagieren, stattdessen bekamen die Anfang des Jahres eingerichteten Wikimedia Committees mehr Gewicht. Wohin die internationale Wikimedia Foundation angesichts des anhaltenden Wachstums und der ständigen öffentlichen Aufmerksamkeit organisatorisch steuert, ist derzeit aber völlig unklar. Am Führungsstil von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gibt es immer wieder Kritik. (Torsten Kleinz) / (jk)

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