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Wikimedia und Mozilla wollen Literaturverweise allseits verfügbar machen

Wie oft wurde eine wissenschaftliche Arbeit zitiert? Wurde ein Experiment bereits von einem anderen Wissenschaftler widerlegt? Solche Informationen will eine neue Initiative rund um die Wikimedia Foundation frei verfügbar machen.

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Wikimedia und Mozilla wollen Literaturverweise allseits verfügbar machen

Organisationen und Projekte, die an "Open Citations" interessiert sind.

(Bild: i4oc.org)

Eine neue Initiative rund um die Wikimedia Foundation will einen langjährigen Missstand beenden: Eigentlich stehen die Literaturangaben und Verweise nicht unter Urheberrechtsschutz und werden ohnehin von Fachverlagen in gemeinsamen Datenbanken gesammelt. Doch wegen der rigiden Lizenzbedingungen der Verlage war bisher nur ein Bruchteil der Referenzen frei verfügbar.

Die nun offiziell vorgestellte Initiative for Open Citations (I4OC) arbeitet seit vergangenem Jahr an einer Verbesserung der Situation. Dank der Beteiligung renommierter Wissenschaftsverlage wie Springer Nature, MIT Press und SAGE Publishing wurden nun die Metadaten von 40 Prozent der insgesamt 35 Millionen vom Non-Profit-Anbieter Crossref erfassten wissenschaftlichen Beiträge zur freien Nutzung freigegeben. Zuvor war es gerade einmal ein Prozent.

Der bisher geringe Anteil freigegebener Metadaten erklärt sich aus eingefahrenen Traditionen. So versteht sich Crossref als neutrale Instanz zur Datensammlung und wirbt nicht dafür, die bei ihr eingereichten Daten öffentlich zugänglich zu machen. Mehr noch: Falls sich ein Verlag oder Autor nicht explizit für die öffentliche Verfügbarkeit entscheidet, werden die Daten als nicht-offen markiert. Dies gilt sogar für die Metadaten von Open-Access-Artikeln, die im Volltext frei im Internet verfügbar sind, erklärt die I4OC in ihrer FAQ.

Die beteiligten Verlage und Stakeholder, zu denen unter anderem die Wikimedia Foundation, die Mozilla Foundation und die Open Knowledge Foundation gehören, wollen deshalb in den kommenden Monaten Überzeugungsarbeit leisten und für die neuen Möglichkeiten der freigegebenen Literaturkataloge werben.

Sie versprechen sich durch eine öffentliche Datenbank wissenschaftlicher Arbeiten besseren Zugang zu Forschungsergebnissen für Interessierte, die nicht für akademische Institutionen arbeiten oder Zugang zu kommerziellen Datenbanken haben. Zudem begünstigten einfach verfügbare Metadaten die Verknüpfbarkeit unterschiedlicher Forschungsfelder. Ideen könnten besser als zuvor entstehen und weiter verfolgt werden. Darüber hinaus sollen die Daten in Projekten wie Wikidata und die Wikipedia eingespeist werden.

Insbesondere ein Verlag könnte das Projekt im Alleingang wesentlich nach vorne bringen: Wie das Wissenschaftsjournal Nature ermittelt hat, liegen zirka 30 Prozent der Rechte an den Metadaten in Crossref bei dem niederländischen Verlagskonzern Elsevier, der unter anderem wegen seiner Preispolitik immer wieder in der Kritik steht. (Torsten Kleinz) / (anw)

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