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Wikimedia wählt

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Die Nutzer aller Wikimedia-Projekte, darunter der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia, sind ab dem morgigen Freitag zur Wahl eines neuen Vorstandsmitglieds der Wikimedia Foundation aufgerufen. Der Verein Wikimedia Deutschland sucht inzwischen Wege, Spendengelder nutzbringend für die Projekte einzusetzen.

Die vorzeitige Neuwahl war nötig geworden, nachdem sich Kuratoriumsmitglied Angela Beesley im Juli vorzeitig aus dem Gremium zurückgezogen hatte. Grund waren Meinungsverschiedenheiten über die Arbeit der US-Stiftung, die für den Betrieb der Projekte wie Wikipedia, Wikinews oder dem neu gegründeten Schulungsportal Wikiversity verantwortlich ist.

Der Ablauf der Wahl zeigt Symptome der Überlastung der Foundation. So hatten die Kuratoriumsmitglieder auf der Konferenz Wikimania Anfang August angekündigt, dass eventuell mehr als ein Kuratoriumsposten zu besetzen sei. Allerdings wurde dieser Punkt offenbar noch nicht geklärt – zumindest aber noch nicht kommuniziert: Auf der Wahlseite steht immer noch, dass ein oder mehrere Kandidaten für das Kuratorium gewählt werden. Einen Tag vor Beginn der Wahl wissen die Wähler also noch nicht, wie viele Kandidaten letztendlich gewählt werden.

Die Wahl läuft im Zustimmungsverfahren ab: Jeder Wähler kann für so viele Kandidaten stimmen, wie er will. Gewählt ist der Kandidat oder die Kandidaten mit den meisten Stimmen. Wahlberechtigt sind alle Nutzer eines Wikimedia-Projekts, die seit spätestens Anfang Mai einen registrierten Account und über 400 Beiträge in dem Projekt vorzuweisen haben. Die Wahl wird drei Wochen dauern und am 22. September enden. In der Bewerbungsphase haben sich 17 verschiedene Kandidaten gefunden, deren Statements auf den Wahlseiten bereitstehen – allerdings ist noch nicht jede Bewerbung in allen Sprachen verfügbar. Über Diskussionsseiten können die Wähler den Kandidaten Fragen stellen.

Dem Wikimedia-Kuratorium gehören bisher fünf Mitglieder an, zwei davon wurden bei der letzten Wahl im Juli 2005 von der Community gewählt. Zwei weitere Mitglieder wurden von Wikimedia-Gründer Jimmy Wales ernannt, der dem Gremium vorsitzt. Um die chronische Überlastung des ehrenamtlich arbeitenden Kuratoriums abzubauen, wurde der Anwalt Brad Patrick als Interims-Geschäftsführer der Stiftung engagiert, gleichzeitig werden derzeit Arbeitskreise aufgestellt, die in Zukunft viele Aufgaben übernehmen sollen. Wann die dringend benötigte Umstellung abgeschlossen sein wird, ist aber noch nicht abzusehen.

Auch der deutsche Verein Wikimedia Deutschland steht vor organisatorischen Probleme. Wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, gibt es Probleme mit der Verwendung der Spendengelder, die nicht auf direktem Wege der Wikimedia Foundation zugute kommen können. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Arne Klempert versichert aber im Gespräch mit heise online, dass diese Probleme inzwischen so gut wie gelöst seien.

Wikimedia Deutschland ist als gemeinnütziger Verein anerkannt und darf daher die steuerlich absetzbaren Spendenmittel nicht einfach einer anderen Organisation ins Ausland überweisen. In der Bilanz des Vereins hatten sich deshalb 60.000 Euro an Rücklagen angesammelt, die für den Ausbau des Serverparks der Wikimedia Foundation vorgesehen waren. Wie Klempert erklärt, will der Verein nun benötigte Hardware selbst beschaffen und in einem Rechenzentrum in Holland aufstellen. Der Verein betreibt bereits einen "Tool-Server", der Softwareentwicklern beispielsweise Testläufe mit der kompletten Wikipedia-Datenbank ermöglicht.

Ein weiterer Teil der vorhandenen Spendengelder will der deutsche Verein für eigene Projekte ausgeben. So hat Wikimedia Deutschland schon mehrere Konferenzen organisiert und finanzierte beispielsweise ein Digitalisierungsprojekt. Am ersten Oktober will der Verein eine Gschäftsstelle in Frankfurt am Main eröffnen, der Klempert als hauptberuflicher Geschäftsführer vorstehen wird.

Wer weniger Interesse an dem organisatorischen Background der Wikipedia hat und lieber Zeit in die Artikelarbeit investieren will, hat jetzt ebenfalls erneut Gelegenheit dazu. Am Freitag beginnt der mittlerweile fünfte Schreibwettbewerb der deutschsprachigen Wikipedia. Die Teilnehmer haben einen Monat Zeit, Artikel auf ein preiswürdiges Niveau auszubauen oder neu anzulegen. Zu gewinnen gibt es meist Buchpreise, die von anderen Wikipedianern gespendet wurden. (Torsten Kleinz) / (jk)

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