Menü

Wikimedia will vielfältiger werden

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 92 Beiträge

Die Wikimedia Foundation hat ihren Finanzplan für das kommende Geschäftsjahr vorgestellt. Die Stiftung, die unter anderem die freie Enzyklopädie Wikipedia betreibt, will vor allem die Diversität fördern, mehr Nutzer in Entwicklungsländern und mehr Frauen als Autoren gewinnen. In der deutschen Wikimedia-Community gibt es unterdessen Streit um das Community-Projektbudget.

Die Ausgaben der fast ausschließlich spendenfinanzierten Wikimedia Foundation werden im kommenden Jahr voraussichtlich von 18,5 Millionen auf 28,3 Millionen US-Dollar ansteigen. Im vergangenen Jahr hatte die Spendenkampagne mehr Geld eingebracht als erwartet, beispielsweise eine Großspende der Alfred P. Sloan Foundation über 3 Millionen Dollar. Das meiste Geld stammt jedoch von Kleinspendern. Gleichzeitig schritt die Expansion der Wikimedia Foundation langsamer voran als geplant. So hat die Stiftung das bisher noch nicht vor mehr als einem Jahr angekündigte Büro in Indien eröffnet. Im kommenden Jahr will sie auch Projekte in Brasilien und Afrika oder dem Nahen Osten starten.

Wissen für benachteiligte Menschen in Entwicklungsländern bereitzustellen war seit Gründung der Stiftung erklärtes Ziel, aber bisher sind die Projekte vor allem in Industrieländern gewachsen. Um die Menschen in Ländern mit unzureichender Internetabdeckung besser zu erreichen, will die Stiftung die Abrufe der mobilen Versionen der Wikimedia-Projekte verdreifachen: von 726 Millionen im März 2011 auf 2 Milliarden im Juni 2012. Im gleichen Zeitraum will die Stiftung mit verstärkter Aufklärungsarbeit die Zahl der aktiven Nutzer in den Entwicklungsländern von 15.700 auf 19.000 steigern. Wikipedia-Aktivisten suchen weltweit die Zusammenarbeit mit Bildungsorganisationen.

Den Schwund aktiver Editoren aufzuhalten ist zu einer der größten Aufgabe der Wikimedia geworden. Mit einer derzeit laufenden mehrstufigen Nutzerbefragung versucht die Stiftung das Problem genauer zu analysieren. Beispielsweise waren nur 9 Prozent der Befragten weiblich. Im kommenden Jahr will Wikimedia die Anzahl weiblicher Projektteilnehmer von 9000 auf 11.700 steigern. Gleichzeitig soll die Gesamtzahl der Autoren von 90.000 auf 95.000 steigen.

Um ihre Projekte attraktiver zu machen, hat Wikimedia bereits einige Projekte gestartet, wie zum Beispiel einen Belohnungsbutton, der das teilweise sehr negative Arbeitsklima verbessern soll. Bis Dezember soll auch endlich der "Visual Editor" startbereit sein, mit dem Wikimedia-Artikeln einfacher verfasst werden können.

Im Finanzbericht verweist die Wikimedia Foundation auch auf die Spannungen zwischen der Zentrale in den USA und den lokalen Organisationen in verschiedenen Staaten. Wie der Geldzustrom kontrolliert und ausgegeben werden kann, ist Grund für Auseinandersetzungen. Die Wikimedia Foundation dringt auf strengere Regulierung der Finanzen der Wikimedia-Chapter weltweit.

Innerhalb der deutschen Wikimedia-Community gibt es zur Zeit Streit um das Community-Projekt-Budget, das in der vorigen Vereinsversammlung beschlossen wurde. Insgesamt 200.000 Euro werden von Wikimedia Deutschland bereit gestellt, um Projekte zu fördern, die von Mitgliedern der Wikipedia und der Schwesterprojekte vorgeschlagen werden.

Da es bei der Erstellung des Berichtes zu Verzögerungen und Kommunikationspannen gekommen war, hatte sich der Vereinsvorstand Zugriff auf das interne Wiki des Ausschusses verschafft, was bei den Ausschussmitgliedern zu starken Protesten und Rücktrittsforderungen führte. Mittlerweile scheinen sich die Wogen jedoch wieder zu glätten: "Wir sind auf einem guten Weg", erklärt Wikimedia-Deutschland-Geschäftsführer Pavel Richter im Gespräch mit heise online. In der kommenden Woche soll der Vereinsvorstand über die insgesamt 36 Anträge entscheiden. Eine zweite Runde ist noch für dieses Jahr geplant. (Torsten Kleinz) / (anw)

Anzeige
Anzeige