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Wikipedia-Community stimmt über MP4 ab

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Die Inhalte auf Wikipedia sollen nicht nur unter einer freien Lizenz, sondern auch in freien Formaten angeboten werden. Da das mit Einschränkungen verbunden ist, hat das Multimedia-Team der Wikimedia Foundation eine Abstimmung gestartet, um den MP4-Codec H.264 einzubinden.

Bisher sind in Wikipedia und ihren Schwesterprojekten solche proprietären Codecs nicht zugelassen, sogar MP3-Dateien sind nicht erlaubt. Videos können lediglich in Ogg Theora und dem von Google entwickelten offenen Videoformat WebM hochgeladen werden.

Logo von Wikimedia Commons

Aus Sicht des Multimedia-Teams behindert diese Einschränkung den Gebrauch von Videos wesentlich. Zwar können Chrome und Firefox WebM abspielen, andere Web-Browser jedoch haben das Format nicht implementiert. Bei den Mobilgeräten sieht es noch schlechter aus: Nach einer Auswertung stammen zwei Drittel der mobilen Abrufe auf Wikimedia-Servern von Geräten, die die auf Wikipedia angebotenenen Videoformate nicht abspielen können. Auch der Upload von Videos wird erschwert, da Nutzer ihre Videos erst konvertieren müssen, bevor sie sie hochladen können. Ergebnis: Gerade einmal 38.000 Videos seien auf der Multimedia-Plattform Wikimedia Commons zu finden, während YouTube in der Kategorie "Bildung" 6,5 Millionen Videos anbiete.

In der Community stößt der Vorschlag nicht auf viel Gegenliebe. Am ersten Tag der auf einen Monat angesetzten Diskussion haben sich die meisten Nutzer gegen jegliche Unterstützung von MP4 ausgesprochen, die Befürworter sind jedoch nicht weit unterlegen. Insbesondere stoßen die mit H.264 verbundenen geheimen Lizenzvereinbarungen und die eventuell fälligen Lizenzzahlungen bei kommerzieller Weiterverwendung der Videos auf Kritik. Ein Kompromiss, bei dem die Wikimedia Foundation alle hochgeladenen MP4-Videos in offene Formate umkonvertieren will, wird nur von wenigen unterstützt.

Nun muss das Multimedia-Team weitere Überzeugungsarbeit leisten, wenn es die Pläne umsetzen will. Offiziell verhält sich die Wikimedia Foundation neutral, wie ein Sprecher auf Anfrage von heise online betont. Zwar betreibt die US-Stiftung die Server der Wikipedia und hat Kontrolle über die eingesetzte Software – doch wenn sich die Autoren und vielen freiwilligen Mitarbeiter verweigern, funktioniert das System Wikipedia nicht. So wurde im vergangenen Jahr der mit großem Aufwand eingeführte Visual Editor von mehreren Projekten als Standard-Eingabemethode nachträglich blockiert, so dass das Ziel, Wikipedia-Arbeit gerade für Neulinge einfacher zu machen, nicht erreicht wurde. Auch die Überarbeitung der Datenschutz-Policy der Wikimedia Foundation stieß insbesondere bei deutschen Autoren auf deutlichen Widerstand. (Torsten Kleinz) / (anw)

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