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Telepolis

Wikipedia-Gründer unter Beschuss

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Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ist unter schweren Beschuss geraten. Nachdem Wales in den vergangen Wochen wiederholt wegen einer Affäre und inkorrekten Spesenabrechnungen kritisiert wurde, wirft ihm jetzt der ehemalige Novell-Manager Jeff Merkey Bestechlichkeit vor. Obwohl die Vorwürfe bisher wenig Substanz zu haben scheinen, ist der Image-Schaden für die freie Online-Enzyklopädie enorm.

Auf einer Wikipedia-Mailingliste erhebt Merkey schwere Vorwürfe gegen Wales. Der habe zugestimmt, gegen eine Zahlung von 5000 Dollar an die Wikimedia Foundation den Artikel über den IT-Unternehmer Merkey persönlich zu beschützen. Jimmy Wales widerspricht den Vorwürfen. Zwar habe er im Streit um den Artikel eingegriffen, das sei aber eine Routine-Angelegenheit. "Spenden haben darauf keinerlei Einfluss. Der neutrale Standpunkt ist nicht verhandelbar", erklärt Wales.

Merkey ist bei der Wikipedia kein Unbekannter. Nach langen und heftigen Streitigkeiten war der Unternehmer für ein Jahr aus der Wikipedia verbannt worden. Vorher hatte Merkey unter anderem von sich reden gemacht, als er im Jahr 2005 unter anderem die News-Seiten Slashdot und groklaw.net verklagt hatte.

Schon seit zwei Wochen steht Wales aber auch anderweitig unter heftiger Kritik. So veröffentlichte das Klatschmagazin Valleywag Details einer Affäre des Wikipedia-Gründers mit der umstrittenen kanadischen Journalistin Rachel Marsden. Dazu kommen Vorwürfe des ehemaligen Wikimedia-Angestellten Danny Wool. Der berichtet in seinem Blog über immer neue Verfehlungen seines ehemaligen Arbeitgebers, den er im Streit verlassen hatte. Obwohl sich Vertreter der Wikimedia Foundation vor den Stiftungsgründer stellen und alle Vorwürfe zurückweisen, scheint es auch innerhalb der gemeinnützigen Stiftung zu Zerwürfnissen gekommen zu sein. So beklagt sich die Wikimedia-Vorsitzende Florence Devouard darüber, dass eine interne Mail von ihr mit deutlicher Kritik an Jimmy Wales an einen Journalisten der Nachrichtenagentur AP weitergeleitet wurde.

Jimmy Wales ist auch nach dem Rückzug vom Vorsitz der Wikimedia Foundation immer noch das Aushängeschild der gemeinnützigen Organisation und wirbt um dringend benötigte Groß-Spenden für das Projekt. Dennoch ist seine Position nicht unumstritten. Arne Klempert, der Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, sagt im Gespräch mit heise online: "Jimmy Wales hat in der englischsprachigen Wikipedia seine schwierige Doppelrolle: Einerseits steht er für die Organisation, die sich aus inhaltlichen Disputen heraushalten sollte – andererseits ist er in der Community eine akzeptierte Führungsfigur". So kann Wales quasi im Alleingang wichtige Kursbestimmungen für die Wikipedia durchsetzen, während sich die Foundation eher bemüht, sich aus solchen Entscheidungen herauszuhalten. (Torsten Kleinz) / (Torsten Kleinz) / (jk)

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