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Wikipedia-Streit: Konsultation zum Media Viewer

Im Streit über den Media Viewer sucht die Wikimedia Foundation einen Dialog mit der Community. Die umstrittene "Superprotect"-Sperre einer Konfigurationsseite wurde vorläufig deaktiviert.

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Der Konflikt um den neuen Media Viewer hatte sich in den vergangenen Wochen hochgeschaukelt. Insbesondere die mangelhafte Darstellung mancher Lizenzen war von Wikipedianern kritisiert worden. Abstimmungen in der deutschen und englischen Wikipedia, das Features als Voreinstellung zu deaktivieren, hatte die Wikimedia Foundation jedoch abgelehnt. Anfang August war der Konflikt eskaliert: Ein deutscher Wikipedia-Administrator hatte das Feature mit einem JavaScript-Hack aus der deutschen Wikipedia entfernt, woraus Erik Möller per Software-Update die Konfigurationsseite sperrte.

Erik Möller

(Bild:  Lane Hartwell, Wikimedia Foundation (CC BY-SA 3.0) )

In einer gemeinsamen Erklärung bedauern Möller und die neue Wikimedia-Chefin Lila Tretikov die Eskalation: "Wir sehen ein, dass der Einsatz von Superprotect unbeabsichtigterweise den Eindruck erweckt hat, dass wir kein Vertrauen in die Community haben. Dies ist nicht der Fall, weshalb wir die Seitensperre aufgehoben haben." Weitere Zugeständnisse wollen sie aber derzeit nicht machen: Die Möglichkeit der Superprotect-Sperre bleibt aktiviert, ebenso der Media Viewer.

Die Kritik an dem Media Viewer versucht die Foundation nun mit Konsultationen zu lösen. Auf einer Sonderseite können Wikipedianer erklären, welche Funktionen sie für unerlässlich halten, welche möglichst bald nachgebessert werden sollen und welche eine gute Ergänzung wären. Konzentrierten sich die Abstimmungen in den Wikipedia-Communities auf die Mängel des Media Viewers, stellt die Foundation nun insbesondere die Verbesserungen in den Vordergrund, die sie in den vergangenen Wochen vorgenommen hat oder für die Zukunft plant. Insbesondere bei der Darstellung der Lizenzen hatte das Multimedia-Team nachgebessert. Die Konsultationen sollen noch bis zum 9. September dauern.

Gleichzeitig wird klar, dass die Wikimedia Foundation auch weiter darauf besteht, das letzte Wort zu haben. "Wenn in Übereinstimmung identifizierte kritische Probleme nicht in naher Zukunft gelöst werden können, wird die Wikimedia Foundation diese Softwarefunktion temporär wieder global als Opt-In-Betafunktion konfigurieren", heißt es auf der Konsultationsseite. Eine Abstimmung ist nicht vorgesehen, die Wikipedianer können nur Vorschläge einreichen. An den Abstimmungen und offenen Briefen hatten sich jeweils mehrere Hundert Mitglieder der Kern-Communty beteiligt. Für Wikipedia-Verhältnisse ist das viel, die Wikimedia Foundation behält sich jedoch vor, Entscheidungen für die mehr als 430 Millionen Leser zu treffen.

Auch der Superprotect-Status steht vorerst nicht zur Debatte. Die US-Stiftung hat aber versprochen, neue Features in Zukunft früher und ausführlicher mit der Community zu kommunizieren. Deren Mitarbeit ist wichtig: So liegen für viele Bilder in der Wikipedia noch keine geeigneten maschinenlesbaren Daten vor, die vom Media Viewer ausgewertet werden können. Sprich: Die freiwillig arbeitenden Autoren müssen Tausende von Bildern sichten und die Beschreibungsseiten in ein geeignetes Format bringen.

Das Echo auf die Initiative der US-Stiftung ist überwiegend negativ, aber abwartend. So wurde der JavaScript-Hack zur Deaktivierung des Media Viewers in der deutschen Wikipedia bisher nicht wieder eingebaut. Viele Nutzer kritisieren, dass die Wikimedia Foundation in der Sache selbst keine Zugeständnisse machen will, während andere die Fortschritte beim Media Viewer begrüßen. Ein Community-Schiedsverfahren in der englischsprachigen Wikipedia wurde für 60 Tage ausgesetzt, nachdem Lila Tretikov die Konsultationen angekündigt hatte. Zusätzlich hatte Möller auf seine Administratoren-Rolle in der englischen Wikipedia verzichtet und die Wikimedia Foundation hatte eine neue Regel eingeführt, wonach Stiftungsangestellte ihre Privat-Accounts von der Arbeit trennen müssen. (Torsten Kleinz) / (anw)

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