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Wikipedia: Superprotect-Streit spitzt sich zu

Im Streit um den neuen Media Viewer legen beide Seiten nach: Die Wikimedia Foundation stellt sich hinter Vize-Chef Erik Möller, die Kritiker wollen aber nicht nachgeben.

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Wer spricht für die Community der Online-Enzyklopädie Wikipedia – die freiwilligen Administratoren oder die Wikimedia Foundation? Nachdem der Vizechef der Wikimedia Foundation über die Einführung eines "Superprotect"-Status aufmüpfige Admins daran hinderte, einen neuen Media Viewer zu deaktivieren, schaukelt sich der Streit weiter hoch.

Neuer Media Viewer: Die Desktop-Ansicht enthält nur grundlegende Infos zum Bild.

Leser der deutschen Wikipedia-Ausgabe werden nun über den Streit informiert. In einem auf jeder Seite erscheinenden Banner wird für eine Umfragen/Superschutz:Umfrage geworben, sich sich mit der "Einführung und Anwendung von neuen Gruppenrechten" durch die Wikimedia Foundation beschäftigt. Kernfrage ist: Kann die US-Stiftung über die Köpfe der Kern-Community der hinweg entscheiden, welche Features in der Wikipedia erscheinen?

Das Metadaten-Panel der Lightbbox-Ansicht enthält weitergehende Infos.

Die Umfrage soll eine Woche in Anspruch nehmen. Am ersten Tag sind die Ergebnisse aber ziemlich eindeutig. So haben am Freitagnachmittag über 350 Teilnehmer die Wikimedia Foundation aufgefordert, den "Superprotect"-Status sofort wieder abzuschaffen, mit dem Wikimedia-Angestellte Seiten vor Veränderungen durch freiwillig arbeitende Wikimedia-Administratoren sperren können. Nur 40 stimmten dagegen.

Die Wikimedia Foundation zeigt sich von dem andauernden Widerstand unbeeindruckt. So hat das oberste Entscheidungsgremium der US-Stiftung Erik Möller den Rücken gestärkt. "Unsere Plattform ist eine der Top 5 Websites", schreibt Jan-Bart de Vreede, der das Wikimedia-Board leitet. "Wir brauchen deshalb Bestimmungen, die dieser Position entsprechen", betont de Vreede. Zwar verspricht er Verbesserungen in der Zukunft und eine bessere Kommunikation mit der Community. Im aktuellen Streit will er jedoch nicht nachgeben.

Zuvor hatte sich die neue Wikimedia-Geschäftsführerin Lila Tretikov ähnlich geäußert. Sie gibt sich dialogbereit, will in der Sache aber nicht nachgeben. Die Aufhebung des Superportect-Status in der deutschen Wikipedia komme erst in Frage, wenn sichergestellt sei, dass der neue Media Viewer nicht wieder gesperrt werde. "Wir werden den MedienViewer nicht wieder entfernen.", schreibt Tretikov. "Er war über Monate in der Produktion. Ihn jetzt wieder zu entfernen würde nur mehr Probleme und Verwirrung bewirken."

Eine Lösung des Konflikts ist derzeit nicht in Sicht. Trotz der prominenten Platzierung der Umfrage ist kaum zu erwarten, dass sich mehr als einige Hundert Nutzer daran beteiligen werden. Lila Tretikov nimmt allerdings für sich in Anspruch, die Plattform für Milliarden potenzieller Leser umgestalten zu müssen. (Torsten Kleinz) / (uk)

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