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Wikipedia.de wieder online

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Drei Tage, nachdem Wikipedia.de wegen der einstweiligen Verfügung des Bundestagabgeordneten Lutz Heilmann ihren Betrieb einstellen musste, ist die Seite wieder online. Der Politiker verzichtet nach heftigen Protesten auf die von ihm erwirkte Einstweilige Verfügung gegen Wikimedia Deutschland.

Zuvor war es zu juristischen Wirren gekommen. Zwar hatte Heilmann bereits am Sonntag erklärt, nicht mehr gegen die Wikipedia vorgehen zu wollen, diese Erklärung reichte aber nicht aus, die rechtsverbindliche Verfügung aufzuheben. Erst am Mittag bestätigte das Landgericht Lübeck, dass die Sperrung juristisch korrekt aufgehoben sei. Wikimedia-Anwalt Thorsten Feldmann hatte bereits Widerspruch gegen die Verfügung eingelegt.

Für den Kläger war der Rechtsstreit ein Debakel, denn es kam der klassische "Streisand-Effekt" zum Tragen: Der Rechtsstreit sorgte für eine weite Verbreitung der Informationen, die eigentlich unterbunden werden sollten. So lasen vor dem Rechtsstreit lediglich einige Dutzend Personen täglich den Wikipedia-Artikel über Heilmann, am Wochenende wurde er über eine halbe Million Mal angeklickt.

Heilmann hatte im Oktober zunächst versucht, Wikimedia wegen der Verbreitung von Falschaussagen abzumahnen. Der Verein lehnte jedoch jede Verantwortung für Wikipedia-Inhalte ab. Er betreibe nur das Portal wikipedia.de, auf dem Nutzer nach Wikipedia-Inhalten in verschiedenen Sprachen suchen können. Die Inhalte selbst liegen auf den Servern der Wikimedia Foundation mit Sitz in San Francisco. Die offizielle deutschsprachige Wikipedia-Startseite ist unter der Adresse de.wikipedia.org zu finden.

Finanziell hat sich das Debakel für Wikimedia gelohnt: Am Wochenende nahm der gemeinnützige Verein über 32.000 Euro ein. Viele Spender hinterließen Kommentare gegen die Sperrung und die Linkspartei. Auch die eigene Partei hat sich von Heilmanns Vorgehen distanziert.

Siehe dazu auch:

(Torsten Kleinz) / (anw)

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