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Wikipedia startet Artikelbewertung

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Mit einem ersten Testlauf eröffnet die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia ihren Nutzern die Möglichkeit, Artikel zu bewerten. Die Wikimedia Foundation verspricht sich davon die Einbindung einer breiteren Leserschaft in die Artikelarbeit. Für das Experiment werden am Mittwoch zunächst 400 englischsprachige Artikel freigeschaltet. Die Leser können angeben, wie gut belegt, lesbar, vollständig und neutral die Artikel sind. In jeder Kategorie können die Leser bis zu fünf Punkte vergeben. Ein Wikipedia-Account ist für die Bewertung nicht nötig. Erst nach einer Testphase soll entschieden werden, ob das Abstimmungstool für sämtliche Wikipedia-Artikel freigeschaltet wird.

Das Experiment ist ein Paradigmenwechsel für die Wikipedia-Community. "Bis heute gibt es kein einheitliches System, bei dem sich eine breite Leserschaft an der Bewertung von Artikeln beteiligen kann", erklärt Wikimedia-Sprecherin Moka Pantages gegenüber heise online. Bisher versuchten die Projektmitarbeiter die Artikelqualität über ein relativ starres und komplexes Regelwerk zu bestimmen, das schwer zu durchschauen ist und Neueinsteiger oft abschreckt. Initiativen wie die Kür exzellenter Artikel werden daher bis heute nur von einem relativ engen Kreis engagierter Wikipedia-Autoren getragen. Auch Initiativen wie die Zedler-Medaille richten sich in erster Linie an Autoren, die im Alleingang einen vorbildlichen Enzyklopädieartikel schreiben können.

Mit zahlreichen Projekten versucht die Wikimedia Foundation zusammen mit den internationalen Chaptern die Mitarbeit in der Wikipedia attraktiver zu machen und neue Leserkreise zu erreichen. So kümmert sich eine internationale Arbeitsgruppe darum, den Anmeldeprozess in der Wikipedia zu vereinfachen. Wikimedia Deutschland kooperiert mit der Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) und will im Oktober täglich einen Artikel in gesprochener Form präsentieren.

Ob solche Einzelinitiativen tatsächlich auf fruchtbaren Boden fallen, ist im komplizierten Machtgefüge innerhalb der Wikipedia-Communities allerdings kaum vorherzusagen. Um diese und andere Fragen geht es bei der Konferenz "Wikipedia:Ein Kritischer Standpunkt", die ab Freitag in Leipzig stattfindet. Hier stellen Forscher aus unterschiedlichen Fachbereichen ihre Erkenntnisse zu den Themengebieten Kollaboration, freies Wissen und politische Bildung am Beispiel Wikipedia vor. (Torsten Kleinz) / (pmz)

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