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Technology Review

Wikipedia und die Themenvielfalt: ein "umfassendes Diversitätsproblem"

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gesteht mangelnde Vielfalt der Inhalte im Online-Lexikon ein. "Das Diversitätsproblem ist umfassend", so der US-Amerikaner im Interview mit Technology Review.

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"Menschen schreiben eben über das, was sie interessiert und worüber sie Bescheid wissen", erklärt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gegenüber Technology Review (aktuelle Ausgabe hier zu bestellen). Die Autoren stammen vorwiegend aus dem westlichen Europa, den USA und Japan, entsprechend konzentrierten sich die Inhalte. "Extrem wenig findet sich etwa über die Mitte Chinas oder Afrika." Das Thema Diversität sei aber noch umfassender. "Um bei Wikipedia zu editieren, muss man ein bisschen Techie sein. Die Nutzerfreundlichkeit ist nicht so gut. Das schließt viele Menschen aus, etwa meinen Vater oder andere, die keine Computer-Geeks sind." Es müsse einfacher werden, für Wikipedia zu schreiben.

Jimmy Wales

In der Vergangenheit waren zudem immer wieder Vorwürfe laut geworden, die Administratoren des Online-Lexikons seien zu streng und würden damit Zuarbeiter vergraulen (siehe Technology Review, Ausgabe 3/2014). Diesen Vorwürfen tritt Wales entgegen. "Man muss streng sein, um gute Qualität zu bekommen", sagte er. Wales wünscht sich sogar eine größere Strenge. "Die Deutschen sind im Übrigen besonders streng. Sie lieben Qualität. Ich würde mir wünschen, dass die englischsprachige Version deutscher wäre", meint der US-Amerikaner.

Gleichwohl gesteht der Lexikon-Gründer ein, dass es Wikipedia derzeit schwer fällt, neue Zuarbeiter zu gewinnen. "Mir ist bewusst, dass viele Wikipedia den Rücken zugekehrt haben." Den Grund sieht Wales jedoch nicht in einer überbordenden Bürokratie, sondern in der Menge an Informationen, die bereits eingeflossen sind. "Es ist sehr schwer geworden, relevante Inhalte beizutragen. Inzwischen finden sich sehr viele Themen in großer Detailfülle."

Neue Inhalte könnten jedoch hinzukommen, wenn das Projekt "Wikipedia Zero" Fuß fasst. Dazu verhandelt die Wikimedia-Stiftung, die für die Verwaltung der Wikipedia verantwortlich ist, mit Mobilfunkanbietern in ärmeren Ländern. Provider sollen dortigen Nutzern Zugang zur Seite geben, ohne die dafür nötige Datenmenge abzurechnen.

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(bsc)

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