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Wikipedianer knackt eine Million Edits

Einen ungewöhnlichen Rekord hat der amerikanische Wikipedia-Autor Justin Knapp aufgestellt: Unter dem Pseudonym Koavf hat der 29jährige in sieben Jahren eine Million Änderungen in der Online-Enyklopädie vorgenommen.

Wikimedia-Gründer Jimmy Wales verlieh ihm daher eine der höchsten Ehren der Wikipedia und rief den 20. April zum Justin- Knapp-Tag aus. Zu Knapps Spezialgebieten gehören Artikel über die westliche Sahara. In mühevoller Kleinarbeit hat er aber auch die Bibliographie des Autors George Orwell in der Wikipedia aufgelistet.

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Die hohe Zahl an Änderungen hat Knapp aber überwiegend Routine-Arbeiten zu verdanken: So gehört er zu den Freiwilligen, die routinemäßig die Dateinamen gemäß den Wikipedia-Konventionen anpassen, Artikel in Kategorien einsortieren und dazu auch halbautomatische Programme benutzen.

Insgesamt haben Hunderttausende Freiwillige in der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten bisher 1,5 Milliarden Änderungen vorgenommen. "Ich glaube, die Wikipedia ist eine der wenigen Internet-Communities, bei denen es sich lohnt mitzuarbeiten", erklärt Knapp auf seiner Nutzerseite. Besonders der anarchistische Ansatz beim Editieren sei wichtig. So hat Knapp in seiner Wikipedia-Zeit niemals versucht, Administrator zu werden oder weiter in der Hierarchie aufzusteigen.

Knapp, der nach eigenen Angaben akademische Abschlüsse in Philosophie und Politikwissenschaft erworben hat, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser - zuletzt arbeitete er bei einer Pizzakette. In seine Wikipedia-Arbeit steckt er täglich drei Stunden und mehr. Bezahltes Erstellen von Wikipedia-Artikeln lehnt er ab.

In der vergangenen Woche wurde eine Studie der Pennsylvania State University vorgestellt, wonach 60 Prozent der untersuchten Artikel über Firmen faktische Fehler enthalten. Die Autoren befragten dazu die PR-Abteilungen der Unternehmen, die in Wikipedia-Artikeln beschrieben werden. Nur 35 Prozent der Befragten hatte sich aktiv bemüht, den Artikel über ihren Arbeitgeber zu verändern, ein Viertel der Befragten kannte den Wikipedia-Artikel über ihre Firma gar nicht. Wer dennoch versuchte, Änderungen zu machen, beklagte sich über Schwierigkeiten. So empfiehlt Wikipedia Angestellten eines Unternehmens, Änderungen nicht direkt in einen Artikel einzufügen, sondern erst die zugehörige Diskussionsseite zu nutzen. Doch diese Beiträge würden oft ignoriert oder nur sehr langsam umgesetzt, heißt es in der Studie. (Torsten Kleinz) / (js)

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