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Wim Wenders sieht den digitalen Film als Chance für das Genre

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Der Filmemacher Wim Wenders sieht im neuen digitalen Film eine große Chance für das Genre. "Wir sind filmhistorisch in einer Schwellenzeit, in der mit dem digitalen Kino eine neue Ära anbricht. Das bedeutet nicht nur neue Techniken, sondern damit wird die ganze Landschaft des Films sowohl als Industrie als auch als Sprache und Kunst aufgemischt", sagte der 57-Jährige in einem dpa-Gespräch in Hamburg.

Wenders, der am Donnerstag seine Professur an der Hochschule für bildende Künste antrat, wird dort einen neuen, Fächer übergreifenden Filmstudiengang entwickeln. "Die große Chance des digitalen Films liegt darin, sowohl bekannte, alte Formen wie den Dokumentarfilm oder den Neorealismus wieder zu beleben, als auch neue Formen zu erfinden", sagte Wenders. "Heute kann jemand, der es drauf hat, mit einer Kamera, die es an jeder Ecke gibt, mit geringen Mitteln einen Film machen, der in der ganzen Welt zu sehen ist. Das war noch nie da", meinte der Filmemacher.

Seit den 90er Jahren habe es fast nur noch eine Art von Film gegeben, den Blockbuster aus Hollywood. "Aber inzwischen taut das wieder auf und zum Vorschein kommen viele kleine Formen, die lange verschütt gegangen waren. Die Menschen wollen wieder Charaktere und wagemutige Geschichten sehen und nicht nur Effekte und Action." Wichtig sei es, dass die Kinos sich darauf einlassen, digitale Produktionen auch digital weiterzugeben. "Es wäre sonst eine Riesenbarriere, wenn man von einem Digitalfilm doch eine Filmkopie machen und dann einen Verleiher suchen müsste."

An seiner Arbeit für die Hochschule reize ihn vor allem, Querverbindungen zu anderen künstlerischen Disziplinen nutzen zu können. "Das ist für mich eine abenteuerliche Sache. Denn ich wollte selber einst Maler werden, bin auch Fotograf und mich interessiert bei meinen eigenen Filmen die Verbindung zur Architektur, zu Musik und anderen Künsten. In sofern sehe ich mich hier genau am richtigen Platz", sagte Wenders. Eine Videoaufnahme seines Vortrages im Rahmen der Reihe "Iconic Turn" - Das neue Bild der Welt an der Universität München liegt als Streaming für den RealPlayer bereit. (dpa)

Siehe dazu das neue c't special "Digital-Video", das bereits per Versand erhältlich und ab dem kommenden Montag, den 16. Dezember, am Kisok zu haben ist. Das c't-Sonderheft bietet Tipps und Tricks rund um den Kauf und Gebrauch von Hard- und Software für Digital-Video. (anw)

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