Wimax - wer soll das bezahlen?

Nachdem die Wimax-Frequenzen versteigert wurden, lautet die entscheidende Frage: Wie verdient man mit der Funktechnik Geld? Zusatzdienste im Vergleich zum herkömmlichen DSL-Anschluss und mobile Wimax-Nutzung nach IEEE 802.16e sind die Hoffnungsträger.

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Von
  • Torsten Kleinz

Nachdem die Wimax-Frequenzen für Millionenbeträge versteigert wurden, lautet die alles entscheidende Frage nun: Wie verdient man mit der Funktechnik Geld? Auf einem Branchentreffen des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (eco) beratschlagten Anbieter und Interessenten über zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Die Hoffnungen liegen vor allem auf dem Standard IEEE 802.16e, der auch die mobile Wimax-Nutzung ermöglichen soll.

In einem sind sich die Vertreter der Branche einig: Kaum ein Kunde wird auf Wimax umsteigen, weil die Technik interessant ist. Um sich auf dem DSL-dominierten Breitband-Markt durchzusetzen, müssen die Anbieter Mehrwert für den Kunden schaffen. Die Deutsche Breitband Dienste GmbH (DBD) will dies unter anderem mit einem Telefonieangebot erreichen: DBD-Manager Rüdiger Kramer kündigte für Mai ein Voice-over-IP-Angebot an, das ohne Kupferleitungen auskommen soll. Kunden hätten die Wahl zwischen einem Flatrate-Angebot und nutzungsabhängigen Tarifen, über den Preis wollte Kramer aber noch keine Angaben machen. Ihre Festnetznummer sollen die DBD-Kunden behalten können.

Neben der Verbesserung des Kundenservice bauen die Anbieter auf den Ausbau von Kooperationen zur Nutzung der Wimax-Technik. So berichtet Kramer von zahlreichen Anfragen von Firmen, die Interesse haben, das Internet per Funk in bestimmten Regionen zu vermarkten. Besonders regionale Energieversorger seien daran interessiert, in ihren Einzugsgebieten die Funktechnik zu vermarkten. DBD zeigt sich für verschiedene Formen der Zusammenarbeit offen, warnt aber vor übersteigerten Erwartungen. So sind die Reichweiten zwar erheblich höher als bei WLAN-Accesspoints, von den theoretisch erreichbaren Werten sei man in der Praxis jedoch weit entfernt: "Wir rechnen mit Radien zwischen 500 und 900 Metern in Großstädten und bis zu vier Kilometern im ländlichen Bereich", erklärt Krämer. Vorteile der Funktechnik seien unter anderem die hohe Qualität und Verlässlichkeit der Anbindung und die schnelle Installation vor Ort.

Die DBD unterhält derzeit 34 regionale Wimax-Netze in Deutschland und vermarktet sie als DSL-Ersatz für Privat- und Geschäftskunden. Derzeit arbeiten alle Basisstationen des Anbieters nach dem Standard IEEE 802.16d, der keine mobile Nutzung erlaubt. Um die sichere Funkanbindung zu gewährleisten, muss jeder einzelne Anschluss von Fachleuten eingemessen werden, gerade in ländlichen Gebieten sind Außenantennen zum störungsfreien Empfang nötig. In Städten rechnet DBD damit, dass wenigstens die Hälfte der Kunden auch innerhalb der eigenen vier Wände eine ausreichende Abdeckung erhalten. Angesichts der hohen Kosten müssen die Anbieter sehr auf die Rentabilität der aufgebauten Basisstationen achten: " Für eine Basisstation brauchen wir am Anfang 200 Kunden und mittelfristig ein Potenzial von 400 bis 500 Kunden", sagt der DBD-Manager.

Ab kommendem Jahr will das Unternehmen auf den neuen Standard IEEE 802.16e setzen, der die mobile Nutzung ermöglicht. Pferdefuß: die Technik ist nicht mit dem Vorgängerstandard kompatibel. "Wir werden nicht daran vorbeikommen, Endgeräte beim Kunden auszutauschen", meinte Kramer. Immerhin sollen mit zunehmender Verbreitung auch die Preise für die Hardware sinken.

Die Aufbaukosten sind zurzeit noch enorm. So rechnet Jürgen Kaack von der STZ Consulting Group derzeit mit Installationskosten von 350 Euro pro Wimax-Kunden, hinzu kommen noch die Kosten für die Hardware beim Kunden. Wenn die Systemhersteller wie DBD-Gesellschafter Intel integrierte Chipsätze zur Nutzung von Wimax in den Massenmarkt einführen werden, sollen die Preise im nächsten Jahr zumindest auf 100 Euro fallen. Angesichts der starken Konkurrenz auf dem Breitband-Markt hält Kaack Premium-Tarife für Wimax-Anschlüsse für unrealistisch. Die Anbieter müssten sich an den Preisen von DSL-Flatrates orientieren, um sich beim Kunden durchzusetzen. Den deutschen Markt sieht der Unternehmensberater auch durch die Politik der Bundesnetzagentur international im Hintertreffen: : "Der Lizenzierungsprozess war ein Musterbeispiel an bürokratischem Blödsinn", erklärt Kaack.

Der Systemhersteller Alvarion schaut mit Zuversicht auf den deutschen Markt. Zwar gehören die größten deutschen Kooperationspartner des israelischen Unternehmens nicht zu den Lizenzinhabern, der Technikanbieter sei aber dennoch auf dem deutschen Markt präsent. Die nächste Generation von Basisstationen sei wesentlich kompakter und billiger als die heute verbreitete Netztechnik. So sei eine Micro-Basisstation schon für unter 10000 Euro realisierbar. Auf den Wechsel zum mobilen Wimax-Standard sieht sich der Hersteller jedenfalls schon gerüstet: bei den aktuell angebotenen Basisstationen sei nur ein Software-Update nötig, um die mobile Wimax-Nutzung zu aktivieren. (Torsten Kleinz) / (jk)