Menü

Win32-Anwendungen im Store: UWP-Apps von Windows vor dem Aus?

Mit seinem für Windows 10 vorgesehenen Konzept der Universal Platform (UWP) Apps ist Microsoft wohl gescheitert. Es gibt einen weiteren Sargnagel.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket  speichern vorlesen Drucken Kommentare lesen 104 Beiträge

(Bild: Microsoft)

Von

Mit dem Konzept der Universal Platform (UWP) wollte Microsoft Entwicklern die Möglichkeit geben, eine App für verschiedene Plattformen wie Windows 10, Windows 10 Mobile, Xbox, Hololens und mehr bereitzustellen. Das Ganze begann bereits unter Windows 8 mit der One Windows Platform, und wurde unter Windows 10 dann mit dem UWP-Konzept auf breiter Front wie Sauerbier angepriesen.

Problem war aber, dass Microsoft einerseits die Entwickler in den Microsoft Store zwingen wollte. Andererseits bekam der Hersteller die technischen Probleme nicht in den Griff. Nutzer verweigerten sich den UWP-Apps, speziell im Spielebereich, und Entwickler sahen mangels Interesses der Anwender keinen Grund, breit auf diesen Zug aufzuspringen.

Es ist auf den ersten Blick eine Sensation, die Phil Spencer, Xbox-Chef von Microsoft, zum Vatertag in einem Blog-Beitrag so ganz nebenbei verkündete. In dem Beitrag geht es vordergründig um die Einführung eines neuen Xbox Game Pass für PC Spieler. Die sollen darüber Zugriff auf neue Spiele aus dem Microsoft-Umfeld erhalten, um diese auf Plattformen wie Xbox oder Windows zu nutzen.

Um Gamern ein plattform- und netzwerkübergreifendes Spielen über Windows 10 PCs und Spielekonsole zu ermöglichen, kündigte Spencer nebenbei einen für Microsoft radikalen Schritt an. Windows 10 bekommt die 'volle Unterstützung für Win32-Spiele'. Gemeint ist damit, dass es Microsoft Entwicklern ermöglichen wird, native Win32-Spiele in den Microsoft Store für Windows 10 einzustellen.

Phil Spencer schreibt, dass Microsoft erkannt habe, dass native Win32-Anwendungen und nicht die UWP-Apps das ist, was Spieleentwickler und Gamer gerne verwenden. Microsoft beugt sich also dem Markt und will sich einem offenen Windows-Gaming-Ökosystem zuwenden. Dort können Entwickler und Gamer entscheiden, über welche Quelle und in welchem Anwendungsformat (App oder Win32-Anwendung) Spiele verteilt beziehungsweise bezogen werden.

Das dürfte wohl der offizielle Sargnagel für die Universal Windows Platform (UWP) für App-Entwicklung sein. Allerdings kündigte sich Beobachtern dieser Tod durch ein langes Siechtum an. Microsoft beugt sich lediglich dem Unvermeidbaren. Bereits im April 2018 konnte man bei einem genauen Blick die Vorzeichen erkennen. Damals legte Microsoft die Entwicklung seiner touch-orientieren Office-UWP-Apps auf Eis. Man wolle sich künftig bei Microsoft Office auf Android- und iOS-Apps sowie auf die nativen Win32-Anwendungen konzentrieren, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig zog das Management Entwickler für Projekte wie die Entwicklung des Edge-Browsers ab. Wenn selbst Microsoft sich aus der Entwicklung von UWP-Apps zurückzieht, musste es um diese Plattform schlecht bestellt sein.

Und ein paar Tage später folgte das inoffizielle Geständnis eines Microsoft-Mitarbeiters, dass man mit dem UWP-App-Konzept gescheitert sei. Nur die neuen Progressive Web Apps (PWAs) könnten es noch reißen. PWAs wurden von Google initiiert und lassen sich direkt in Googles Chrome-Browser ausführen. Microsoft versucht seit einiger Zeit über den Edge-Browser eine Integration von PWAs in Windows 10, so dass sich diese Apps lokal speichern und Verknüpfungen zum Beispiel auf dem Desktop ablegen lassen. Wenn Nutzer also Apps einsetzen, sind sie mit PWAs nicht mehr auf den Microsoft Store angewiesen.

Es war also absehbar, dass UWP-Apps wohl bald am Ende sind. Im Umfeld der Microsoft Entwicklerkonferenz Build 2019 führte die US-Journalistin Mary Foley dann noch ein Interview mit Kevin Gallo, Microsoft Corporate VP und Director of Windows Developer Platform. Gallo deutete frühere Fehler und anstehende Änderungen in der Plattform-Strategie an. Foley interpretierte diese Äußerungen als Abschied von UWP-Apps und als Schwenk zurück zu Win32-Anwendungen. Jetzt kam quasi die Bestätigung durch Phil Spencer über die Gaming-Schiene.

Mit der Möglichkeit für Entwickler, native Win32-Spiele offiziell über den Store zu vertreiben, dürfte wohl das Ende der Universal Windows Platform besiegelt sein – Microsoft sträubt sich lediglich noch, das offiziell zu verkünden. Auch der Microsoft Store wird möglicherweise seine Bedeutung für Windows 10 als Quelle für Apps verlieren und möglicherweise als "Resterampe für andere Microsoft Produkte" noch eine Zeit lang dahinsiechen. Denn, wer Apps will, greift zu PWAs, die sich aus vielen Quellen beziehen lassen. Und Win32-Anwendungen stehen seit drei Jahrzehnten über die Webseiten der Entwickler oder aus anderen Quellen zur Verfügung. (mho)