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WinHEC: Der Tablet PC nimmt langsam Gestalt an

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In seiner Keynote zum Auftakt von Microsofts WinHEC-Entwicklerkonferenz in Anaheim, Kalifornien, gab Chefentwickler und Microsoft-Übervater Bill Gates einen Vorgeschmack dessen, was Microsoft unter "Natural Computing" versteht. Kurz gefasst: Der Tablet PC nimmt allmählich Gestalt an, und zwar nicht zuletzt dadurch, dass sich führende PC-Hersteller wie Sony, Compaq, Acer, Fujitsu und Toshiba bereit erklärt haben, sich auf das Abenteuer Tablet PC einzulassen.

Interessant ist vor allem die Feststellung, dass das elektronische Papier weder Notebooks noch Handhelds und schon gar nicht den Desktop ersetzen soll. Microsoft positioniert den Tablet PC vielmehr in Bereichen, in denen Anwender lieber handschriftliche Notizen machen statt sich mit einer Tastatur herumzuschlagen. Womit sich der Heimbereich schon fast von selbst ausklammert: Microsoft führt als Zielgruppe Geschäftsanwender an, die zum Beipiel während einer Konferenz Notizen machen wollen, oder aber Studenten.

Erste Geräte erwartet Gates im Verlauf des nächsten Jahres. Damit ist auch klar, dass die Tablet PCs auf Windows XP basieren; Standardsoftware soll auf ihnen genutzt werden können. Apropos Standardsoftware: Der Tablet PC wird zwar mit einem Stift beschrieben oder an eine Tastatur angeschlossen, auf der WinHEC war aber bereits zu vernehmen, dass es durchaus auch Modelle mit Spracherkennung geben könnte.

Während der bereits im letzten Jahr auf der Comdex vorgestellte Prototyp einen Crusoe von Transmeta beherbergte, legt sich Microsoft bezüglich der Hardwarekomponenten nicht weiter fest. Dies ist auch nicht nötig, denn OEMs werden praktisch jeden x86kompatiblen Chip verwenden können, sei er nun von Intel, Transmeta, VIA oder AMD. Die Prototypen, die Microsoft zusammen mit PC-Herstellern wie Compaq und Sony entwickelt, beherbergen jedenfalls einen 600 MHz TM5600 Crusoe oder einen mobilen Ultra-Low-Power Pentium III.

Die Features des Tablet PCs, die Gates demonstrierte , waren allerdings weitgehend kalter Kaffee – sie sind seit der Comdex und dem Forum 2000 im Juni vergangenen Jahres hinlänglich bekannt. Das Stift-basierte Gerät lässt es zu, dass der Anwender nach Herzenslust auf dem farbigen Touch-Screen herumschreiben sowie Text und Abschnitte formatieren und verschieben sowie in Standardformaten speichern kann. Neu ist allerdings, dass das Konzept die drahtlose Verbindung zum Internet und zu einem Firmennetzwerk vorsieht. Anwender können ihr Multipurpose-Surfbrett mit sich herumtragen und bleiben im Netz, was zum Beispiel den Informationszugriff während Konferenzen wesentlich erleichtert.

Wie diese Geschichte technisch aussehen könnte, hat Microsoft ebenfalls zum Auftakt der WinHEC angedeutet. Demnach beabsichtigt das Unternehmen, den unter anderem von Cisco, 3Com, Agere, Compaq und Dell entwickelten LAN-Standard IEEE 802.1x ("Port Based Network Access Control" auf dem MAC-Layer) zu unterstützen, der verkabelt oder drahtlos alles miteinander verbinden soll, was auch nur im Entferntesten einem Computer ähnlich ist. Vor allem aber will Microsoft IEEE 802.1x als Übertragungsstandard in Windows XP integrieren. (Natalia Pander, Matthias Holtz) / (jk)