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WinHEC: Microsoft wildert in Adobes Gefilden

Das Publikum blieb seltsam ruhig, als Microsoft-Mitarbeiter auf der WinHEC Keynote drei wesentliche Neuerungen von Longhorn vorführten: eine erweiterte Desktop-Suche, nicht von einem Windows-Programm zu unterscheidende Web-Anwendungen und eine geräteunabhängige Seitenbeschreibungssprache. Gibt es das nicht alles schon? Schon, aber halt bisher nicht von Microsoft.

Dass Avalon, die vektorbasierende Erweiterung der Windows-Oberfläche im Zusammenhang mit der Web-Services-Lösung Indigo ein potenzieller Flash-Killer würde, zeichnete sich schon auf der Professional Developers Conference (PDC) vor zwei Jahren ab. Nachdem Macromedia seit fünf Jahren die Vorteile von Rich Internet Applications anpreist, hat auch Microsoft das Thema für sich entdeckt. Sowohl auf der PDC als auch auf der diesjährigen WinHEC zeigten die Vorführer dabei einen flotten Online-CD-Shop; auch Macromedia wirbt seit jeher mit ähnlichen Ansätzen.

Doch jetzt kommt Metro dazu, Microsofts eigene Seitenbeschreibungssprache, die auf der WinHEC 2004 noch "Next Generation Print Path" hieß. Beim Metro-Format handelt es sich um ein XML-Derivat, das Druckdokumente geräteunabhängig verwaltet. Unter Windows Longhorn soll der "Metro Print Path" das Standard-Spooler-Format werden; für Windows XP und Windows Server 2003 soll sich Metro-Unterstützung nachrüsten lassen.

Zu den Highlights gehört die direkte Unterstützung des erweiterten sRGB-Farbraums, Vektorstrukturen und Transparenzen. Die Druckeigenschaften werden in einem "Print Ticket" abgelegt, das unter anderem die Anzahl der zu druckenden Dokumente und das Papierformat festlegt. Auf einem Stand im Ausstellerbereich war zu sehen, wie sich ein Metro-Dokument per Drag & Drop in einem Internet-Explorer-Fenster ansehen ließ.

Beispiel-Code für Metro-Druckertreiber will Microsoft parallel zur Veröffentlichung der zweiten Longhorn-Beta im Herbst veröffentlichen. Die Vorabversion 0.7 der Metro-Spezifikation hat Microsoft pünktlich zur WinHEC ins Web gestellt -- vor dem Download muss der Anwender jedoch ein Lizenzabkommen bestätigen. Später will man die fertige Spezifikation offen legen und lizenzfrei zur Verfügung stellen -- ein klarer Angriff auf Adobes populäres Portable Document Format (PDF). (ghi)

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