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Windows 10: Neue Systemvoraussetzungen als Risiko für Billig-Tablets

Mit dem "Anniversary Update" für Windows 10 steigen die Systemvoraussetzungen für die 32-Bit-Version. Für Schmalspur-Geräte könnte das zum Sicherheitsrisiko werden.

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Windows 10

Microsoft hat anlässlich des für Ende Juli 2016 geplanten "Anniversary Update" für Windows 10 (Version 1607, vormals "Redstone") die Systemvoraussetzungen überarbeitet. Das zugehörige Dokument beschreibt neben einer Lockerung der zulässigen Displaygrößen und der seit Sommer 2015 bekannten TPM-Pflicht für Fertiggeräte mit vorinstalliertem Windows auch, dass die Mindestvoraussetzung für die 32-Bit-Ausgabe mit dem Anniversary Update von 1 auf 2 GByte RAM steigt.

Mit dieser Änderung dürften vor allem Billig-Tablets, die von den Herstellern mit nur 1 GByte RAM ausgestattet werden, mittelfristig vom Markt verschwinden.

Mögliche Konsequenzen für Billig-Tablets

Nicht ganz klar ist bislang, wie die Konsequenzen für bestehende Windows-10-Geräte mit nur 1 Gigabyte RAM aussehen. Derartige Geräte sind nach wie vor als Neuware im Handel zu finden; im Regelfall handelt es sich um einfache Tablets oder 2-in-1-Geräte. Ähnlich ausgestattete Geräte mit Windows 8.1 bekamen im Sommer 2015 ein Gratis-Upgrade-Angebot auf Windows 10.

Erfüllt der PC nicht die Mindestanforderungen, scheitert das Feature-Upgrade.

Das von Microsoft angepriesene Konzept "Windows as a Service" sieht vor, dass Windows-10-Geräte regelmäßig per Feature-Upgrade die neueste Version des Betriebssystems bekommen. Das ganze hakt bislang allerdings, wenn der PC die Mindestvoraussetzung nicht erfüllt. So lässt sich etwa die 32-Bit-Variante der erste Windows-10-Ausgabe von Sommer 2015 (Build 10240) durchaus auf eine Hardware mit nur 768 MByte RAM installieren. Das Feature-Upgrade auf die derzeit aktuelle Version 1511 (Build 10586) scheitert dann aber mit dem Hinweis, dass die Mindestvoraussetzungen nicht erfüllt sind – und zwar sowohl via Windows Update, als auch bei Verwendung des Media Creation Tools.

Sollte Microsoft dieses Vorgehen nicht ändern – und darauf gibt es zur Zeit keine Hinweise – , würden aktuell im Handel befindliche Windows-10-Tablets sowie auf Windows 10 aktualisierte Geräte mit nur 1 GByte RAM das Anniversary Update nicht einspielen können.

Kaum gekauft, schon unbrauchbar?

Sofern Microsoft sich an seine eigenen Servicing-Richtlinien für Windows 10 hält, hätte das Ausbleiben des Anniversary Update für solche Geräte gravierende Folgen. Denn die Richtlinien sehen für Geräte im "Current Branch", zu dem Windows 10 Home gehört, zwingend die Installation von Feature-Upgrades vor, um weiterhin Sicherheitsupdates zu bekommen (im Dokument als Servicing Updates bzw. Wartungsupdates bezeichnet).

Wer sein 1-GB-Tablet auf Windows 10 aktualisiert hat, hätte somit dessen nutzbare Lebensdauer erheblich verkürzt – wäre man bei Windows 8.1 geblieben, wären Sicherheits-Updates bis zum Jahr 2023 garantiert. Auch wer jetzt noch ein Tablet mit Windows 10 Home und nur 1 GByte RAM kauft, bekommt im ungünstigsten Fall schon drei Monate später keine Sicherheitsupdates mehr.

Klare Ansage: Wer die Feature-Upgrades nicht installiert, bekommt keine Sicherheitsupdates mehr.

(Bild: Microsoft TechNet)

Offen ist, wie lange ein Gerät mit Windows 10 Home mit Sicherheitsupdates versorgt wird, wenn ein neues Feature-Upgrade veröffentlicht wurde, aber das Gerät nicht die Voraussetzungen zur Installation erfüllt. Auf eine Anfrage von heise online hin hat Microsoft bislang nicht Stellung bezogen. Wer ein Tablet mit nur 1 GByte Hauptspeicher hat und es noch mit Windows 8.1 betreibt, sollte das Gratis-Upgrade auf Windows 10 nicht annehmen, bis Microsoft einen längeren Sicherheits-Support garantiert. (jss)

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