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Windows 10: Performance-Frust statt -Lust nach Retpoline-Patch gegen Spectre V2

Das letzte Woche für Windows 10 1809 erschienene kumulative Update mit Retpoline-Schutz gegen Spectre V2 beschert vor allem Gamern massive Performance-Verluste.

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Microsoft bestätigt Performance-Probleme mit dem Windows-10-Update KB4482887

(Bild: pixabay (Collage))

Kurz nach Veröffentlichung des Updates KB4482887 für Windows 10 1809 am vergangenen Freitag haben Windows-Nutzer in verschiedenen Foren von Leistungseinbrüchen auf ihren Systemen berichtet. Das Update umfasste neben vielen Bug-Fixes auch die Retpoline-Schutztechnik gegen Spectre V2 unter Windows 10 V1809. Es handelt sich dabei um einen Backport dieser Technik, die Microsoft seit einiger Zeit in der noch in der Entwicklung befindlichen Windows 10 19H1 testet.

Der Verteilung des Updates an Windows-10-1809 Systeme waren Tests mit Windows Insidern im Release Preview Ring vorausgegangen.

In einer nun vorgenommenen Ergänzung der Release-Notes zu KB 482887 hat Microsoft die Leistungseinbußen bestätigt. "After installing KB4482887, users may notice graphics and mouse performance degradation with desktop gaming when playing certain games (eg: Destiny 2)", heißt es dort.

Manche Benutzer könnten laut Microsoft im Bereich Grafik und Mausbedienung Leistungseinbußen (zum Beispiel in Gestalt von Frame-Drops) bei einigen Spielen feststellen. Allerdings meldeten einige Nutzer solche Leistungseinbußen auch außerhalb des Gaming-Bereichs etwa in Gestalt eines langsamen Systemstarts oder eines "zähen" Desktops. Die Microsoft-Entwickler untersuchen das Phänomen zur Zeit.

Zusätzlich weist Microsoft in den Release-Notes darauf hin, dass es bei der Installation und Deinstallation bestimmter msi- und msp-Dateien zu einem “Error 1309” kommen kann. Diesen Fehler sollen die Benutzer laut Microsoft einfach ignorieren.

Der vorläufige Ratschlag Microsofts zur Lösung des Leistungsproblems ist ebenfalls ziemlich profan: Es wird empfohlen, das Update zu deinstallieren, sofern es Probleme verursacht. Darüber hinaus versprach das Unternehmen aber auch einen Fix für das Problem der Leistungseinbußen bei Update KB4482887 zu einem der nächsten Patchdays.

Bleibt für Windows 10 Home-Benutzer nur zu hoffen, dass Microsoft die Verteilung des Updates KB4482887 zuverlässig gestoppt hat. Andernfalls würde es nach der Deinstallation bei der nächsten Suche nach Updates erneut installiert - es sei denn, der Nutzer weiß, wie sich das Update mittels des Microsoft Tools ausblenden lässt.

Einige Benutzer äußerten schnell den Verdacht, dass die Leistungseinbußen auf die im Windows-Kernel neu eingeführte Retpoline-Technik zurückgehen könnten. Allerdings fehlt die Basis für eine solche Schlussfolgerung. Denn die Retpoline-Technik hat ja gerade den Vorteil, dass sie die Leistungseinbußen, die durch entsprechende Microcode-Updates verursacht werden, vermeidet. Zudem kommt die Technik laut Release-Notes nur bei bestimmten CPUs zur Anwendung.

Das gewichtigste Argument gegen die ‘Retpoline ist Schuld’-Theorie: Die Retpoline-Technik ist bisher im Windows 10 V1809-Client nicht aktiviert – Microsoft will diese in den kommenden Monaten schrittweise für geeignete Maschinen freigegeben. Bis dahin müssen Windows 10 V1809-Besitzer die Retpoline-Technik manuell aktivieren.

Inzwischen hat ein Microsoft-Mitarbeiter mit Namen srepak in diesem Reddit-Thread bestätigt, dass die Leistungseinbußen wohl nichts mit Retpoline zu tun haben.

Aktuell testet Microsoft bereits mit Insidern ein neues kumulatives Update KB4492978 für Windows 10 Oktober 2018 Update (Version 1809) im Release Preview-Ring. Da das Unternehmen einen baldigen Fix versprochen hat, ist die Chance hoch, dass dies bereits am kommenden Dienstag, den 12. März 2019, der Fall sein wird.

Bleibt nur zu hoffen, dass es diesmal kein an Insidern getestetes "Bananen-Update" wird, welches ein Problem behebt, aber weitere Folgeprobleme verursacht.

Updates 08.03.19, 14:48 / 17:15: Missverständliche Überschrift nach Leserhinweisen geändert; kleinere inhaltliche Korrektur des Autors eingefügt. (ovw)