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Windows 10 Version 1809: Die bisherigen Korrekturen

Das Oktober-2018-Update für Windows 10 kam wegen gravierender Fehler in die Kritik – behoben sind nun viele, aber nicht alle.

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Microsoft Windows 10

Nachdem Microsoft zum November-Patchday das Oktober 2018 Update (Version 1809) für Windows 10 wieder zum Download freigegeben hat, drängt sich die Frage auf, was seit dem katastrophalen ersten Versuch im Oktober eigentlich alles behoben wurde. Version 1809 hat seitdem drei kumulative Patches bekommen.

Dabei handelt es sich um KB4464330, KB4464455 und KB4467708. Obwohl die letzteren beiden das gleiche Release-Datum tragen, ist KB4464455 etwas älter; es wurde schon rund zwei Wochen lang im Betatestprogramm Windows Insider getestet. Wir haben die bisherigen Korrekturen (Patch-Stand 17763.134) zusammengetragen.

Die Fehlerbehebungen von KB4464330 sind für

  • ein Problem mit der Gruppenrichtlinie "Benutzerprofile, die älter als eine bestimmte Anzahl von Tagen sind, beim Systemneustart löschen", wodurch wegen fehlerhafter Zeitberechnung Benutzerprofile zu früh gelöscht werden.
  • diverse Sicherheitslücken.
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KB4464455 behebt

  • ein fehlerhaftes Reporting bei Gruppenrichtlinien zur Konfiguration von Benutzerrechten. Tools wie gpresult /h oder rsop.msc zeigen die Richtlinien nicht an oder geben ein rotes X aus.
  • ein Performance-Problem des Internet Explorer, wenn Roaming-Profile verwendet werden oder die Kompatibilitätsliste nicht benutzt wird.
  • Probleme mit geänderten Zeitzoneninformationen.
  • schwarze Bildschirme beim Einschalten des Monitors an bestimmten Servern.
  • Hänger bei der Verwendung der mitgelieferten Kamera-App in bestimmten Lichtverhältnissen.
  • ein Performance-Problem mit vSwitch im Zusammenspiel mit Netzwerkkarten, die kein CSO und LSO unterstützen (Checksum Offload / Large Send Offload).
  • IPv4-Verbindungsabbrüche bei ungebundenem IPv6.
  • serverseitige Verbindungsabbrüche zu Gast-VMs, wenn Anwendungen das Low-Resource-Flag setzen.

KB4467708 behebt

  • ein Problem der Benutzeranmeldung mit Microsoft-Konten, wenn man sich beim zweiten Mal mit einem anderen Konto anmeldet.
  • ein Problem mit verweigertem Zugriff aufs Dateisystem für IoT-UWP-Apps, die dieses Zugriffsrecht brauchen.
  • unnötiges Öffnen der Bildschirmtastatur bei automatisierten Tests oder beim Anschluss von Tastatur-Hardware.
  • diverse Sicherheitslücken.

Microsofts Blogbeiträge zum Rückzug des Oktober-2018-Updates von John Cable und zu Version 1809 von Dona Sarkar nennen weitere Fehlerbehebungen für:

  • Probleme mit Datenverlusten in verschiedenen Szenarien, in denen die Known Folder Redirection (KFR) für Ordner von Benutzerdateien (Dokumente, Bilder, Downloads...) zum Einsatz kommt. Dies war der bis dato wohl schwerwiegendste Bug in Version 1809, der maßgeblich zum Verteilungsstopp beitrug.
  • ein Problem beim Entpacken von Zip-Dateien, wenn das Ziel schreibgeschützt ist bzw. die Datei im Zielverzeichnis schon existiert. Statt eine Nachfrage anzuzeigen, wurde die Datei kommentarlos übersprungen.
  • Probleme mit Roaming-Profilen.
  • ein Darstellungsproblem im Task-Manager, das im "Prozesse"-Tab zu falschen CPU-Last-Werten und wild blinkenden Pfeilen in der Prozessliste führte.
  • bestimmte Fälle, in denen der Eingabemethoden-Editor (IME) im ersten Prozess einer Edge-Sitzung nicht funktioniert.
  • einfrierende Apps nach dem Aufwachen aus dem Connected-Standby-Modus.
  • diverse Kompatibilitätsprobleme mit Antivirus- und Virtualisierungssoftware anderer Hersteller.
  • diverse Treiberkompatibilitätsprobleme.

Zum Update auf Windows 10 1089:

Keine Erwähnung finden in den Listen bislang die RDP-Probleme (Remote Desktop Protocol), die unter anderem im Microsoft-Forum dokumentiert sind. Sie führen in einigen Fällen dazu, dass Remote-Desktop-Verbindungen zu einem Rechner mit Version 1809 meist nur wenige Sekunden stabil laufen und dann einfrieren, sekunden- bis minutenlang hängen oder ganz abbrechen. In einem Test mit zwei Rechnern auf dem aktuellen Patchlevel 17763.134 konnten wir dieses Problem nach wie vor nachstellen.

Für Anwender, die auf Remote-Desktop-Verbindungen angewiesen sind, heißt es daher zur Zeit noch: Finger weg von Version 1809. Ein Workaround eines Redditors besteht darin, die mstsc.exe aus einer 1803er-Windows-Installation zu verwenden.

Unterdessen hat Microsoft in einem Blogbeitrag eine Erklärung zur Qualitätssicherung in der Windows-Entwicklung abgegeben. Während der Beitrag in erster Linie sehr ausführlich Microsofts Fortschritte lobt und die Testverfahren umreißt, finden die zwei massivsten Probleme ebenso Erwähnung, nämlich zum einen die mangelhafte Auswertung der Fehlerberichte von Insidern:

Wir schauen uns weiterhin Wege an, wie wir unsere Fähigkeit verbessern können, Fehler zu finden, speziell solche, die selten auftreten, aber schwerwiegende Auswirkungen haben.

und zum anderen die kaum stattfindende Kommunikation in Krisensituationen:

Bis jetzt lag unser Fokus fast ausschließlich auf schneller Fehlererkennung und -behebung, und wir werden den Fokus auf Transparenz und Kommunikation verstärken. Wir glauben an Transparenz als Prinzip und werden weiterhin in regelmäßige und klare Kommunikation mit unseren Kunden investieren, sollten Probleme auftauchen.

In späteren Blogbeiträgen will Microsoft zudem einzelne Aspekte der Qualitätssicherung künftig genauer offenlegen.
(jss)

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