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Windows 10 läuft auf 800 Millionen Geräten

Ursprünglich sollten 2018 bereits eine Milliarde Geräte mit Windows 10 laufen – das Ziel wurde jedoch klar verfehlt, wie eine aktuelle Zahl von Microsoft zeigt.

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Windows 10 ist seit mehr als drei Jahren auf dem Markt und soll nach den Bekundungen Microsofts auch "bald" Windows 7 ablösen, dessen Support im Januar 2020 endet. Aber der Umstieg auf Windows 10 verläuft schleppend: Erst im Januar 2019 stieg der Marktanteil von Windows 10 über den von Windows 7. So sind die offiziellen Aussagen des Redmonder Konzerns, wie viele Windows-10-Systeme laufen, in letzter Zeit auch rar geworden.

Anfang März hat der für die "Modern Life & Devices Group" verantwortliche Microsoft-Manager Yusuf Mehdi die Zahl von 800 Millionen Windows-10-Geräten genannt. Dies umfasst alles, was irgendwie mit Windows 10 betrieben werden kann, vom Desktop-System und virtuellen Maschinen über Xbox- und IoT-Geräte bis hin zum Restbestand an Lumia-Smartphones mit Windows 10. Die Microsoft-Quelle gibt es zwar nicht her, aber es werden üblicherweise nur Geräte gezählt, die mindestens einmal im Monat eingeschaltet werden.

Stetig steigender Trend von Geräten mit Windows 10 seit dem Marktstart des Betriebssystems.

Aus der Vergangenheit verfügbare Daten zeigen zwar einen stetig steigenden Trend bei der Zahl der Geräte mit Windows 10 seit dem Marktstart des Betriebssystems im Juli 2015. Aber der Anstieg nimmt seit Mitte 2016 deutlich ab. Damals endete der von Microsoft mit allen Tricks durchgezogene Versuch, Nutzer von Windows 7- und Windows 8.1-Systemen durch ein kostenfreies (Zwangs-)Upgrade auf Windows 10 zu migrieren. Jedenfalls wurde das 2015 bei der Vorstellung von Windows 10 angekündigte Ziel, bis 2018 auf eine Milliarde Geräte zu kommen, deutlich verpasst.

Für Verwunderung bis Erheiterung sorgte bei außenstehenden Beobachtern die Aussage von Yusuf Mehdi, dass die "größte Kundenzufriedenheit in der Geschichte von Windows" ("highest customer satisfaction in the history of Windows") erreicht sei. Denn immerhin sah sich Microsoft im ersten Jahr nach der Betriebssystemfreigabe genötigt, die Nutzer mit Tricks in ein oft ungewolltes Windows-10-Upgrade zu locken. Die juristische Aufarbeitung dieser Geschichte läuft nach wie vor. Kürzlich musste Microsoft in Finnland Entschädigung für das Zwangsupdate auf Windows 10 leisten.

Viele Probleme der letzten Jahre, die bei Windows 10-Anwendern für Frust sorgen, hat sich Microsoft selbst zuzuschreiben. Da ist das Upgrade-Desaster auf Windows 10 V1809 vom vergangenen Herbst oder die zähe Update-Installation bei Clients und Servern mit dem Windows 10 V1607-Kernel. Erwähnt werden sollte auch die Clover-Trail-Upgrade-Falle, in deren Folge Microsoft sich gezwungen sah, Windows-10-V1607-Systemen auf dieser Plattform Updates bis 2023 zu spendieren.

Nutzer der Windows-10-Home-Editionen fungieren als Versuchskaninchen für Microsofts ‘Beta-Versionen’ bei Upgrades und Updates. Selbst Administratoren von Unternehmensumgebungen fürchten inzwischen die halbjährlichen Windows-10-Upgrades sowie die oft fehlerhaften Patches. Und kommunale IT-Dienstleister rebellieren inzwischen in Deutschland gegen Microsoft wegen des Verlusts der "digitalen Souveränität". Explizit werden dort Windows 10 und das Büropaket Office 365 als kostspieliger Unsicherheitsfaktor für Kommunen genannt. In der Kritik steht auch die Frage nach der Konformität mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). So ruft die Twitter-Aussage von Yusuf Mehdi auch eher scherzhafte bis sarkastische Kommentare hervor.

Mit dem Ende des Supports von Windows 7 zum Januar 2020 dürfte die Zahl der Windows-10-Umsteiger 2019 noch stark zunehmen. Die Installationen von Windows 10 haben also durchaus noch Potenzial und dürften bis 2020 auch die anvisierte eine Milliarde Systeme erreichen. Bleibt zu hoffen, dass Microsoft es schafft, die Windows-10-Entwicklung in ruhigere Bahnen und in Richtung eines zuverlässigeren Betriebssystems zu lenken. (tiw)