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Windows-8-Tablets: Rennen zwischen ARM und x86

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Fujitsu Stylistic Q550: Atom-Z670-Tablet mit Windows 7

Die sprichwörtliche Wintel-Partnerschaft hat tiefe Risse: Eine SoC-Version von Windows 8 soll außer auf x86-Prozessoren auch auf bestimmten ARM-SoCs laufen, was nicht nur Intel-Konkurrent Nvidia zum Einstieg in den Notebook-Markt nutzen will. Intel wiederum unterstützt Linux nicht bloß bei der Treiberentwicklung, sondern pflegt mit MeeGo ein eigenes Tablet- und Netbook-Linux samt App-Shop und möchte dringend auch bei Android einen Fuß in die Tür bekommen.

Microsoft und Intel eint jedoch das Problem, dass ihr gemeinsames Hauptgeschäft, also der klassische Markt der Desktop-PCs, Net- und Notebooks, zunehmend unter Druck gerät. Die Wachstumsraten sacken ab, in den Industrieländern schrumpfen die Absatzzahlen sogar. Gewichtige Industriepartner wanken, etwa die PC-Sparte von HP.

Zwar kann man angesichts enormer Gewinne nicht behaupten, dass Intel oder Microsoft in einer Notlage stecken würden, doch die Zukunft der beiden Marktelefanten sieht unsicher aus. Beide Unternehmen müssen dringend Antworten auf den boomenden Tablet-Verkauf liefern. Doch obwohl Microsoft-Vertreter auf mehreren IDF-Veranstaltungen in San Francisco sprechen werden, ist völlig klar, dass x86- oder speziell Intel-Prozessoren für Tablets auf dem Prüfstand stehen und ihre Tauglichkeit erst noch beweisen müssen.

Während das schlanke, von Apple eigens für Mobilgeräte entwickelte iOS oder auch Googles Android bereits auf ARM-SoCs mit einem einzigen 1-GHz-Kern akzeptabel laufen, tut sich Intels einkerniger Tablet-Atom Z670 (Oak Trail) mit Windows 7 sehr schwer – folgerichtig sind auch bloß wenige der sowohl von Intel als auch von Microsoft versprochenen Windows-7-Tablets erschienen. Dass Microsoft auf der Tech Ed Neuseeland vor wenigen Wochen einen Windows-8-Tablet-Prototypen mit Quad-Core-ARM-SoC zeigte, könnte man vor diesem Hintergrund als Hinweis interpretieren, dass auch Windows 8 kräftigere Hardware als einen Atom Z670 verlangt. Dann müsste Intel mit den 2012 – also vor dem Windows-8-Stapellauf – erwarteten Atom-SoCs mit 22-Nanometer-Silvermont-Technik mindestens auch zweikernige Versionen liefern.

Die schon lange lieferbaren Dual-Core-Atoms für Netbooks taugen nicht für iPad-Konkurrenten: Sie sind nur im Vergleich zu bisherigen Notebook-Prozessoren sparsam und klein. Im Vergleich zu typischen ARM-SoCs sind sie hingegen teuer und brauchen zuviel Strom und Platinenfläche. Doch auf den ARM-SoCs läuft keine bisherige Windows-Software, die für x86-Prozessoren kompiliert wurde: Mit diesem Pfund wollen Intel und auch AMD wuchern. Die Binärkompatibilität ist vor allem für den Einsatz von Tablets in Firmen wichtig – bei den gewerblichen Nutzern wittern Microsoft und die x86-Prozessorfirmen noch großes Käuferpotenzial.

Wie CNet berichtet, will Microsoft-Manager Steven Sinofsky auf der am Dienstag beginnenden Konferenz Build angeblich ein Windows-8-Tablet von Samsung zeigen, in dem Intel-Technik steckt. Intel wiederum dürfte daran interessiert sein, dass das zurzeit in Kooperation mit großen PC-Herstellern aufgebaute Know-how zur Ultrabook-Fertigung auch in Tablets einfließt: Extrem schlanke Gehäuse, flache Kühler und leichte Akkus sind für beide Gerätekategorien essenziell und würden billiger, wenn die Stückzahlen deutlich steigen. (ciw)