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Windows 9x scheitert an zu viel Hauptspeicher

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Die Windows-Versionen 95, 98, 98 SE und ME kommen mit mehr als 512 MByte installiertem Hauptspeicher nicht immer zurecht. Wer sich durch die zurzeit günstigen Speicherpreise dazu verleiten lässt, mehr als 512 MByte RAM in seinen PC zu stecken, muss mit kuriosen Fehlermeldungen wie "Für diese Anwendung ist nicht genügend Arbeitsspeicher verfügbar" rechnen.

Daran ist nach Angaben von Microsoft der Treiber "Vcache" zur Datenpufferung im 32-Bit-Protected-Mode schuld. Vcache kann nur eine gewisse Höchstzahl an Speicheradressen verwalten; diese Anzahl hängt bei automatischer Konfiguration auch vom Hauptspeicherausbau ab, wie Microsoft in einem deutschsprachigen Knowledge-Base-Artikel beschreibt (hier die englischsprachige Version). Insbesondere beim Start von Windows mit mehr als 1 GByte Hauptspeicher oder bei der Ausführung von DOS-Programmen mit mehr als 512 MByte Speicher kann eine Windows-9x-Version scheitern.

Leider empfiehlt Microsoft bisher keine konkrete Maximalgröße des Hauptspeichers. Die verschiedenen Knowledge-Base-Artikel beschreiben unterschiedliche RAM-Kapazitäten, nämlich einerseits "mehr als 512 MByte" und andererseits "mehr als 768 MByte" als Grund für die Fehlfunktionen.

Wer trotzdem mehr als 512 MByte Hauptspeicher einsetzt, etwa um alternativ mit einem anderen Betriebssystem zu arbeiten, kann durch Einträge in der Steuerungsdatei System.ini entweder den von Windows verwendeten Hauptspeicher begrenzen oder die Größe des von Vcache verwalteten Hauptspeichers. Trägt man beispielsweise im Abschnitt [386Enh] die Zeile MaxPhysPage=20000

ein, so benutzt Windows 9x höchstens 512 MByte RAM. Im Abschnitt [Vcache] der System.ini sorgt die Zeile

"MaxFileCache=524288"

dafür, dass Vcache nur 512 MByte benutzt.

Außer Windows 9x selbst können auch andere Hard- und Softwarekomponenten eines PC mit zu viel Hauptspeicher manchmal nicht zurecht. Jeder Chipsatz unterstützt nur eine gewisse RAM-Höchstgrenze. Nicht jeder Chipsatz und jedes BIOS vertragen alle denkbaren Ausführungen von Speicherriegeln. Intel 440BX-Chipsatz kann beispielsweise maximal 1 GByte Speicher verwalten, er scheitert an DIMMs mit 256-MBit-Speicherchips oder an solchen mit 128-MBit-Chips in 32Mx4-Organisation. Alle Ausführungen des i815-Chipsatzes vertragen maximal 512 MByte RAM, keine Registered DIMMs und auch nicht jede Organisationsform von 256-MBit-SDRAM-Chips.

Beim Einkauf von Speichermodulen ist also Vorsicht angeraten. Der extreme Preisdruck führt teilweise dazu, dass die Händler auch sonst schwer erhältliche Spezialmodule anbieten – der Versandhändler Alternate listet etwa ein 512-MByte-DIMM "nur für VIA-Chipsätze", das tatsächlich in Mainboards mit Intel-Chipsätzen nicht richtig erkannt wird. Wer sicher gehen will, dass ein neuer Speicherriegel im vorhandenen PC korrekt arbeitet, sollte vor dem Kauf das Handbuch seines Mainboards konsultieren und nur DIMMs kaufen, für die ein Datenblatt verfügbar ist. Darin beschreiben alle Hersteller von Originalmodulen detailliert den Aufbau des Speichermoduls und der verwendeten Speicherchips. Weitere Tipps liefert diese c't-Webseite.

Für die Windows-9x-Versionen gilt beim Hauptspeicherausbau die Devise viel hilft viel sowieso nicht. Das Betriebssystem selbst profitiert von riesigem Speicher kaum. Viel RAM bringt unter Windows 9x nur dann Vorteile, wenn die installierten Anwendungen diesen auch nutzen, etwa bei der Bearbeitung großer Bilddateien. Microsoft empfiehlt, zur Entscheidung über einen notwenigen Speicherausbau das mitgelieferte Programm "Systemmonitor" bei der Ausführung typischer Aufgaben zu verwenden. Sind die Werte für "Speicher-Manager: Seitenauslagerungen" und "Speicher-Manager: Seitenfehler" hoch, so sei das ein Hinweis darauf, dass der Arbeitsspeicher knapp ist.

Ältere PCs mit Intel-Pentium- oder AMD-K6-2-Prozessor können sogar langsamer werden, wenn die Hauptspeicherkapazität größer wird als die "Cacheable Area" des Mainboards. (ciw)