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Windows-Kloner in der Krise

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Nach dem Rätselraten um die Anschuldigungen, die gegen das Projekt zur Entwicklung des Windows-Clons ReactOS erhoben worden sind, haben die Entwickler nun eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Anlass waren Beschuldigungen aus den eigenen Reihen, dass einige Entwickler Code zu ReactOS beigesteuert hätten, den sie durch Reverse Engineering von Microsoft Windows erlangten. In der Erklärung bestätigte Steven Edwards dies nun.

In den USA ist nach den Angaben der ReactOS-Entwickler das so genannte Clean-room Reverse Engineering erlaubt, bei dem ein Entwickler sich ein Produkt anschaut und seine Erkenntnisse dokumentiert, ein anderer Entwickler dann anhand der Dokumentation eine neue Implementation erstellt. Anscheinend haben sich die Entwickler von ReactOS aber nicht an diese strikte Trennung gehalten, was Edwards auf die unterschiedlichen Definitionen von Reverse Engineering in verschiedenen Ländern zurückführt. Welche Entwickler dies sind und aus welchen Ländern sie stammen, verrät er jedoch nicht. Die Erklärung spricht außerdem von vier Entwicklern, die sich von dem seit 2004 im Internet von kursierenden Quelltext Windows NT und 2000 hätten inspirieren lassen.

Als Reaktion wurde ein Vier-Punkte-Plan beschlossen:

  1. Das Intellectual Property Policy Statement des ReactOS-Projekts soll fordern, dass beim Reverse Engineering die amerikanische Clean-Room-Methode zum Einsatz kommt.
  2. Der ReactOS-Quelltext, der auf dem nicht erwünschten Reverse-Engineering-Weg zu Stande gekommen ist, soll neu geschrieben werden.
  3. Alle Entwickler sollen das Intellectual Property Policy Statement mit ihrer Unterschrift anerkennen.
  4. Entwickler, die Einblick in Teile des Windows-Quelltexts genommen haben, sollen keinen Code zu diesen Teilen beisteuern dürfen.

Edwards hofft, dass der Windows-Quelltext von einem Gericht vom Status des Firmengeheimnisses ausgenommen wird, damit alle Entwickler wieder an allen Teilen von ReactOS mitarbeiten können. Er glaubt nicht, dass irgendein Projektbeteiligter etwas wirklich Falsches getan hat. Falls die betroffenen Entwickler gegen Gesetze verstoßen hätten, würde er eher die Gerechtigkeit der Gesetze in Frage stellen. Die Entwickler wollten schließlich nur die Freiheit haben, etwas zu lernen und ein freieres System zu schaffen. Das Untersuchen des ReactOS-Codes könne zwar möglicherweise Jahre in Anspruch nehmen, aber Edwards ist sich sicher, dass das Projekt danach besser denn je dastehe. (adb)

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