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Windows Media Player: Ich weiß, was du letzten Sommer geschaut hast

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Microsofts Mediaplayer für Windows XP verrät, welcher Anwender welche Musikstücke und Videos abspielt. Zum einen identifiziert die Software zugleich mit dem Anmeldenamen des jeweiligen Windows-Benutzers die abgespielten Stücke und schreibt diese Informationen hinter dem Rücken des Anwenders in eine Logdatei auf die Festplatte. Das geht zwar einen Schritt weiter als etwa Office-Programme, die sich maximal neun zuletzt bearbeitete Dokumente merken, um dem Anwender das wiederholte Eintippen von Dateinamen zu ersparen. Aber solange diese Informationen nicht ins Internet gelangen, bringt das bisschen Komfort auch nur ein begrenztes Risiko mit sich, dass Werbetreibende, Privatdetektive oder Copyright-Anwälte Schindluder mit den Verbraucherprofilen treiben könnten.

Genau diese Voraussetzung erscheint jedoch zweifelhaft: Nach Erkenntnissen von Richard M. Smith übermittelt nämlich der Media Player für Windows XP die Auskunft, was er gerade abspielt, brühwarm an Microsofts Datenbank, während er sich übers Internet von dort mit den Begleitinformationen über Tracktitel, Künstler und Sonstigem versorgt. Bei der gleichen Gelegenheit identifiziert sich das Programm bei seinem Schöpfer mit einer Seriennummer, die allerdings zunächst keine Auskunft über den Benutzer gibt und damit auch gegen keinerlei Privacy-Statement verstößt, Microsoft halte ungefragt keine personenbezogenen Daten über Anwender fest. Die Datenschutz-Erklärung verrät freilich nicht, dass genau dieselbe Seriennummer zusammen mit Name und E-Mail-Adresse des Besitzers erneut auftaucht, sobald sich dieser etwa für Microsofts Windows Media Newsletter anmeldet.

Smith stellt mit seiner Veröffentlichung Microsoft in eine Reihe mit dem ebenfalls kritisierten Medien-Vermittler Real und dem inzwischen nicht mehr so agierenden Werbevermarkter Doubleclick.

Zurzeit ist noch unklar, ob Windows dieselbe Seriennummer auch auswertet, wenn es um die automatische Versionskontrolle geht, die Windows-XP-Käufer dem Hersteller im Rahmen der Lizenzbestimmungen zugestehen sollen.

Microsoft-Sprecher Jonathan Usher erklärte, der Konzern plane derzeit nicht, gesammelte Daten über die Sehgewohnheiten von Kunden zu vermarkten, wollte das aber für die Zukunft auch nicht ausschließen.

Sicherheitsbewusste Anwender können sich vor Microsofts Neugier schützen, indem sie die dem Windows Media Player über das Menü "Extras/Optionen/Medienbibliothek" den Internetzugriff verbieten. Außerdem scheint die Medienbibliothek mit den fraglichen Aufzeichnungen unter älteren Windows-Varianten für den Betrieb des Media Players verzichtbar zu sein, sodass man die Datei "C:\Dokumente und Einstellungen\Alle Benutzer\Anwendungsdaten\Microsoft\Media Index\wmplibrary_v_0_21.db" eigentlich löschen können müsste. Laut eines Statements von Microsoft allerdings ist die Datei für den Betrieb des Media Players für XP zwingend erforderlich. (hps)

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