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Windows-Raubkopien: Erstes Urteil im Fall PC Fritz

Vier Jahre und neun Monate muss ein 31-jähriger Berliner hinter Gitter. Als Chef des Software-Händlers PC Fritz habe er beim Handel mit Windows-Fälschungen Steuern in Höhe von 900.000 Euro hinterzogen.

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Windows-Raubkopien: Erstes Urteil im Fall PC-Fritz

(Bild: dpa, Uli Deck)

In einem Prozess gegen Mitarbeiter des geschlossenen Software-Händlers PC-Fritz ist ein 31-jähriger Berliner zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Halle sah es als erwiesen an, dass der Verurteilte als Chef von PC Fritz der Drahtzieher hinter einem groß angelegten Handel mit Windows-Raubkopien gewesen sei, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Dabei seien Steuern in Höhe von 900.000 Euro hinterzogen worden.

Bei dem Prozess ging es allerdings nur um den Vorwurf der Steuerhinterziehung. Unabhängig davon müssen sich der 31-jährige und drei weitere Verdächtige noch wegen gewerbsmäßigen Betrugs an Firmenkunden und Microsoft vor Gericht verantworten; das Verfahren gegen den Berliner soll allerdings getrennt weitergeführt werden.

Strohmann oder Initiator? Ex-Geschäftsführer Maik Mahlow sagt, er war nur Marionette.

(Bild: PC Fritz)

Vergangene Woche hatte der Mann ein Geständnis abgelegt. "Mir war bewusst, dass die DVDs Fälschungen waren", sagte er einem Bericht des Channel-Observers zufolge vor Gericht. Er habe Anfang 2012 bemerkt, dass der eingetragene Geschäftsführer Maik Mahlow den Handel mit Fälschungen forcierte. Mahlow habe ihm zehn Prozent der Umsätze geboten, damit er beim Unternehmen bleibe und sich um das Marketing kümmere. Die Fälschungen seien zunächst aus den USA gekommen, später habe Mahlow die DVDs günstiger aus der Ukraine beziehen können und die Product Keys aus Hongkong.

Mahlow war Ende April 2014 verhaftet worden und hatte als Kronzeuge ausgesagt. Dabei hat er sich den Berichten nach als unwissende Marionette dargestellt und die Angeklagten schwer belastet. Der Aussage des Verurteilten zufolge habe Mahlow den Großteil der Gewinne aus dem Betrugsgeschäft eingestrichen und sei zumindest Mitinitiator gewesen. Bislang wurde keine Anklage gegen Mahlow erhoben.

PC Fritz steht seit längerem im Visier der Behörden. Der Online-Händler war bekannt geworden, weil er Windows-7-DVDs für knapp 20 Euro verkauft hatte. Nach Überzeugung von Microsoft sowie Zoll und Staatsanwaltschaft hat PC Fritz gefälschte Windows-DVDs mit ebenfalls gefälschten Echtheitszertifikaten verkauft. Im September 2013 hatten die Behörden Räumlichkeiten des Unternehmens durchsucht. Dabei wurden Unterlagen und rund 170.000 Datenträger beschlagnahmt, bei denen es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft "durchweg um Fälschungen" handelte. Von 2012 bis 2014 soll das Geschäft mit Fälschungen laut Staatsanwaltschaft rund neun Millionen Euro eingebracht haben. (axk)