"Windows Signature Edition": Microsoft verkauft Geräte mit (fast) sauberer Vorinstallation

Wer einen PC oder ein Notebook mit vorinstalliertem Windows kauft, bekommt oft unerwünschte Software-Dreingaben, die letztlich den PC ausbremsen. Microsoft bietet jetzt auch in seinem deutschen Store Geräte mit Crapware-freier Vorinstallation an.

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(Bild: Microsoft)

Von
  • Axel Vahldiek

"Es ist schnell, ohne Junk- & Testsoftware und kommt mit einer Antivirensoftware die nie abläuft." – so wirbt Microsoft für das erste Tablet, das im deutschen Microsoft-Store mit der "Signature Edition" von Windows 8.1 angeboten wird; weitere Geräte sollen folgen. Und weiter unten haut Microsoft ein weiteres mal in die Kerbe: "Das Tablet enthält keine störende Junk- oder Trialware, die es unnötig langsam machen."

Solche Aussagen darf man wohl als Ohrfeige für jene PC-Hersteller verstehen, die PCs mit vorinstalliertem Windows mit massenhaft unerwünschten Software-Dreingaben verkaufen. In der US-Version des Microsoft Store hat Microsoft sogar ein Video veröffentlicht, das die Dauer der Ersteinrichtung eines sauberen Windows und eines OEM-PCs mit Dreingaben vergleicht (2:04 zu 4:50 Minuten).

Ein Microsoft-Video vergleicht die Dauer der Einrichtung einer sauberen Windows-Installation mit der einer zugemüllten. (Quelle: Microsoft )

Geräte mit der "Signature Edition", die es in den USA schon länger gibt, will Microsoft nun also auch in Deutschland verkaufen. Und setzt damit die PC-Hersteller weiter unter Druck, ihre Vorinstallationen endlich nicht mehr so zuzumüllen wie bislang. Offenbar ist es Microsoft leid, dass viele Windows-Nutzer immer nur Microsoft dafür verantwortlich machen, wenn Windows lahmt. Was nutzt es schließlich, dass Microsoft in Windows 8 den Schnellstart-Modus eingebaut hat, wenn die Nutzer dank der vielen Dreingaben dann doch wieder minutenlang beim Hochfahren warten müssen.

Die "Signature Edition" selbst ist trotz des Namens keine neue Edition von Windows, sondern einfach nur "Windows 8.1 mit Bing". Das wiederum entspricht bis auf dem Namen komplett der normalen Version "Windows 8.1" (die Microsoft intern als "Core" bezeichnet). PC-Hersteller brauchen für das Vorinstallieren dieser Version keine Gebühren an Microsoft bezahlen, dürfen aber im Gegenzug die voreingestellte Bing-Suche im Internet Explorer nicht ändern. Der Käufer kann die Suche aber wie gewohnt umstellen.

In den USA verkauft Microsoft in seinem Store schon länger PCs mit sauberer Vorinstallation. Mit dem HP Stream 7 ist nun erstmals auch im deutschen Store so ein Gerät erhältlich.

(Bild: Microsoft)

Das Tablet, das als erstes Gerät mit der Signature Edition im deutschen Microsoft Store verkauft wird, stammt von HP. Das Stream 7 ist eines der günstigen Windows-Tablets mit 7-Zoll-Display, die einerseits ein vollwertiges x86-Windows samt Desktop-Modus mitbringen, andererseits aufgrund der abgespeckten Ausstattung gerade für die Desktop-Anwendungen wenig Leistungsreserven vorhalten. Vor allem der nur 1 GByte große Hauptspeicher bremst, auch dürften der Prozessor (Intel Atom mit 1,33 bis 1,83 GHz, vier Kerne) und der 32 GByte große eMMC-Flash nicht besonders schnell sein. Das Display zeigt 1280 × 800 Punkte; an Bord sind zwei Kameras (2 und 0,3 MP), 11n-WLAN (Single-Band), Bluetooth 4.0 und nur USB 2.0. Das Gewicht gibt HP mit 350 Gramm an, die Laufzeit soll bis zu 8 Stunden betragen.

Mit 129 Euro kostet das Stream 7 über Microsoft genauso viel wie direkt bei HP – wobei auf den HP-Seiten kein Hinweis zu finden ist, ob es mit normalem oder ebenfalls mit Signature-Windows ausgeliefert wird. Preissuchmaschinen finden das Tablet noch nicht.

Vorinstalliert ist die 32-Bit-Variante von Windows 8.1, für den beworbenen Virenschutz sorgt der eingebaute Defender. Ganz ohne Dreingaben kommt aber auch dieses Gerät nicht aus: Vorinstalliert ist Office 365, zudem erhält man ein Abo für ein Jahr dazu. Weitere Software, die nicht jeder braucht, gehört wie Skype und Onedrive ohnehin von Haus aus zu Windows. Zudem blendet die Live-Kachel des Windows-Store auf der Startseite Werbung für Apps ein.

Um Geräte mit vorinstalliertem Windows von lästigen Software-Dreingaben zu befreien, reicht es in vielen Fällen, einfach in der Systemsteuerung unter Software alles überflüssige zu entfernen. Weitere Reinigungs-Tipps hat c't zuletzt in Ausgabe 25/2012 und und 17/2012 gegeben.

In den USA verkauft Microsoft die Signature Edition schon seit 2010. Für Android gibt es mittlerweile etwas ähnliches, nämlich die Google Play Edition einiger Geräte, die allerdings nur in den USA erhältlich sind. Zudem bieten einige Hersteller Developer Editions einzelner Geräte an, etwa HTC. (jow) / (axv)