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Windows-Smartphones: Nokia lässt es leuchten

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Der finnische Handyhersteller Nokia hat am Mittwoch wie erwartet erste Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone vorgestellt: Das Oberklasse-Smartphone Nokia Lumia 800 und das Mittelklassegerät Lumia 710. "Lumia heißt Licht. Für Nokia bricht ein neuer Tag an", sagte CEO Stephen Elop zum Auftakt der Hausmesse Nokia World in London.

Das Lumia 800 mit Windows Phone ähnelt stark dem Meego-Smartphone N9

Das Lumia 800 wurde auf Basis des nur in wenigen Märkten eingeführten Meego-Geräts N9 entwickelt und sieht dem gelungenen Smartphone sehr ähnlich. Elop betonte, dass Nokia die Möglichkeiten des Betriebssystems als erster Hersteller voll ausreize: "Lumia ist das erste echte Windows Phone." Das Smartphone wird derzeit nach Deutschland und weitere fünf Märkte ausgeliefert und soll im November erhältlich sein. Das Lumia 800 soll 499 Euro kosten; es arbeitet mit einem 3,7 Zoll großen AMOLED-Display und dem Einkernprozessor Snapdragon S2 von Qualcomm mit 1,4 GHz, es kommt mit 512 MByte RAM, 16 GByte Speicher, [Update] WLAN (11b/g/n) und Bluetooth 2.1. Es hat eine 8-Megapixel-Kamera mit Optik von Carl Zeiss, aber keine zweite zur Videotelefonie.[/Update]

Das Lumia 710 ist Nokias Einsteigergerät unter den Windows-Smartphones

Das Lumia 710 ist mit dem gleichen Prozessor wie das Lumia 800 ausgestattet, bietet allerdings nur einen 3,7 Zoll großen WVGA-LCD-Bildschirm, eine 5-Megapixel-Kamera und 8 GByte Speicher – [Update] einen MicroSD-Slot hat es anders als am heutigen Mittwochmorgen noch von Nokia in der Spezifikation angegeben wurde, nicht. Laut den neuen Spezifikationsdokumenten hat das Lumia 710 insgesamt 8 GByte Massenspeicher, der sich nicht erweitern lässt, da das Gerät keinen MicroSD-Slot hat. [/Update] Es ist für etwa 320 Euro zu haben. Weitere Märkte sollen bis zum Jahresende folgen. In den USA will Nokia Anfang 2012 aufschlagen.

Mit dem Lumia 800 wird die Navigationslösung Nokia Drive ausgeliefert – das gebe es nur bei Nokia, sagte der Chef von Nokias Smartphone-Sparte, Kevin Shields. Darüber hinaus kommt das Lumia mit dem neuen Musikdienst Nokia Music, der dem Smartphone-Besitzer verschiedene Musiksammlungen anbietet. "Keine Anmeldung, keine Gebühr", sagte Shields. Die "Radio Mix" genannten Sammlungen lassen sich auch zur Offline-Nutzung herunterladen.

Nokia stellt Windows-Smartphones vor (6 Bilder)

Stephen Elop

Nokia-Chef Stephen Elop setzt alles auf die neuen Windows-Smartphones: "Für Nokia bricht ein neuer Tag an." (Bild: Volker Weber / heise online)

Für das schon im vergangenen Jahr ausgegebene Ziel, die "nächste Milliarde" ins Netz zu bringen, setzt Nokia auf eine junge Zielgruppe in den schnell wachsenden Schwellenländern. Dafür kündigte der Hersteller vier S40-Handys an, die "die Grenze zwischen Handy und Smartphone" weiter verwischen. Das Flaggschiff der "Asha" genannten Familie bringt nicht nur das beliebte "Angry Birds" auf die S40-Plattform. Das Asha 303 hat einen 1-GHz-Prozessor, Qwerty-Tastatur und einen Touchscreen. Das Gerät verbindet sich über 3G-Netze ebenso wie WLAN. Nokia Maps ist installiert, weitere Anwendungen können aus dem App-Store geladen werden. Das Handy soll noch in diesem Jahr erscheinen.

Der langjährige Marktführer Nokia hatte im Smartphone-Segment der Konkurrenz von Apple und Android in den vergangenen Jahren nicht viel entgegenzusetzen und musste zusehen, wie seine Marktanteile schwanden. Zuletzt hatten sowohl Apple als auch Samsung mehr Smartphones ausgeliefert als die einst so stolzen Finnen. Das hauseigene Betriebssystem Symbian gilt als veraltet. Eine 2010 mit Intel eingegangene Kooperation sollte die Systemfrage lösen: Die offenen Betriebssystem Moblin und Maemo verschmolzen zu Meego. Doch sollte die Verbindung mit Intel nicht lange halten. Das einzige Kind dieser kurzen Ehe ist das eindrucksvolle Nokia N9, das auf wichtigen Märkten aber gar nicht erst erhältlich ist.

Der für den glücklosen Ex-CEO Olli-Pekka Kallasvuo von Microsoft geholte Elop setzt mit Windows Phone nun auf ein Ökosystem mit Potenzial, das sich allerdings erst noch beweisen muss. "Wir hatten einige schwierige Momente und harte Entscheidungen zu treffen", so Elop. Trotz wohlwollender Kritiken konnte das Microsoft-Betriebssystem bisher noch keinen wesentlichen Marktanteil erringen. Von ihrer Allianz erhoffen sich Nokia und Microsoft den Durchbruch im Smartphone-Segment. Marktbeobachter trauen Windows Phone zu, sich als drittes Ökosystem neben iOS und Android etablieren zu können.

Dabei spielen auch die Netzbetreiber eine Rolle. Im Vorfeld der Nokia World hatten sich die Carrier bereits wohlwollend über die neuen Geräte geäußert. Ein drittes Ökosystem neben Apple und Android bedeutet für die Mobilfunker eine Möglichkeit, sich dem Griff von Apple und Google zu entziehen. Nokia und Microsoft sehen hier eine Chance und gehen ganz bewusst auf die Carrier zu. Für das Lumia 800 konnte Nokia bereits 31 Netzbetreiber und Reseller gewinnen, die den Vertrieb tatkräftig unterstützen wollen, erklärte Elop. (jk)