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Computex

Windows-Tablet mit 8 Zoll für 200 Dollar von Toshiba

Da ist es, das Toshiba Encore 2 mit Intel Atom, das erste Tablet mit Microsofts Billig-Windows "with Bing", das den Android-Tablets Paroli bieten soll. Es macht vor allem deutlich, dass Windows RT inzwischen überflüssig ist.

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Der 200-Dollar-Android-Schreck Encore 2 hat ein ganz gutes 8-Zoll-Display mit nur HD-Auflösung.

Toshiba selbst ist auf der Computex gar nicht vertreten, sondern Microsoft hat das 8-Zoll-Tablet Encore 2 auf einer (sonst ereignislosen) Pressekonferenz offiziell vorgestellt – und tatsächlich ist das Tablet für Microsoft wichtiger als für Toshiba, denn es ist das erste mit der Billig-Version von Windows, die gegen die Marktdominanz der billigen Android-Tablets mit 7 und 8 Zoll angehen soll. Das Encore 2 soll nur 199 US-Dollar kosten.

Dafür bekommt man ein 8-Zoll-Display mit 1280 × 800 Punkten, ein Atom-Prozessor und 32 GByte Speicher – es läuft also die x86-Version von Windows, nicht das abgespeckte Windows RT. Desktop-Anwendungen laufen, lassen sich aber per Finger weder gut bedienen, noch bekommen sie viel Performance: Der Atom Z3735G hat zwar vier Kerne, läuft aber nur mit 1,33 GHz, im Turbo mit 1,83 GHz, und es ist nur 1 GByte Hauptspeicher installiert.

Das ist Netbook-Performance aus 2008, beziehungsweise kamen die mindestens mit 80 GByte Festplatte, doch dürfte von den 32 GByte nichtmal die die Hälfte frei sein. Laut Toshiba soll es auch Versionen mit 64 GByte SSD und 2 GByte Hauptspeicher (dann wohl mit dem gleich schnellen Z3735F, da der G nur 1 GByte unterstützt) geben, dann natürlich zu höherem Preis. Immerhin gibts einen MicroSD-Schacht. Für die Touch-Oberfläche reicht die Performance jedoch allemal, und wenn eine Desktop-Anwendung erst einmal geladen ist (und man keine andere lädt), dürften mäßig anspruchsvolle Anwendungen halbwegs ordentlich laufen. Zumindest sofern man Tastatur und Maus anschließt, denn für die Fingerbedienung von Desktop-Anwendungen ist das 8-Zoll-Display zu klein, schon Menüpunkte trifft man oft erst im zweiten Versuch.

Für die 10-Zoll-Version des Encore 2 gibt es eine Bluetooth-Tastatur mit großem Touchpad.

Wichtig ist auch gar nicht so sehr, wie sich das Encore 2 im Vergleich zu besseren Windows-Tablets schlägt, sondern dass es gegen die Android-Konkurrenz bestehen kann. Und da sieht es für Microsoft und Toshiba zumindest bei der Performance gut aus: Der Atom läuft ähnlich schnell wie schnelle ARM-Prozessoren und ist schneller als die Mediatek-Prozessoren in Billigtablets, wenn nicht im Android-Tablet sowieso ebenfalls ein Atom steckt. Beim Display allerdings bleibt das Encore 2 zurück: Beispielsweise haben das Asus Memo Pad 8 oder das Acer Iconia Tab 8 sichtbar schärfere Full-HD-Displays, wobei letzteres auch nur 200 Euro kostet. Auf 7 Zoll wäre der Unterschied zwischen HD und Full HD nicht so augenfällig.

Und Windows RT? Diese abgespeckte Version startete Microsoft nur, weil die x86-Hardware damals noch zu schwer und teuer für konkurrenzfähige Tablets war. Die Zeiten sind nun vorbei: Jetzt bekommt man ein vollwertiges Windows 8 in einem 8-Zöller mit 400 Gramm für 200 Dollar. Windows RT ist überflüssig.

Die Tastatur dient als Schutzhülle und als Aufsteller, benötigt aber eine halbwegs gerade und feste Unterlage.

Der Anwender muss sich entscheiden zwischen Android mit mehr Apps oder Windows mit der Möglichkeit, Desktop-Anwendungen notdürftig laufen zu lassen – oder für das billigste iPad Mini nochmal 50 Prozent mehr hinzublättern. Als weitere Möglichkeit hat Toshiba die 10-Zoll-Variante des Encore 2 im Programm. Sie hat zusätzlich einen MicroHDMI-Ausgang, aber leider keine höhere Display-Auflösung.

Toshiba bietet eine Bluetooth-Tastatur mit einer Klappe an, die sowohl das Tablet-Schutzhülle dient als auch so gefaltet werden kann, dass sie das Tablet aufstellt. Dank des großen Touchpads lassen sich Desktop-Anwendungen dann ganz gut bedienen, manche laufen dank SSD-Geschwindigkeit und vier Kernen sogar etwas besser als auf den Netbooks vor sieben Jahren. In den USA sollen beide Encore-Versionen ab Ende Juli erhältlich sein, für Europa spricht Microsoft vom dritten Quartal. (jow)