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Windows aus zweiter Hand bei Waibel

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Nach einem Streit mit Microsoft ist der Ettlinger PC-Hersteller Waibel dazu übergegangen, seine PCs mit Windows-Lizenzen aus zweiter Hand anzubieten. "In Deutschland gibt es ungefähr 10 Mio. verwertbare Betriebssysteme, die in den nächsten Jahren wertlos würden, indem der Lizenznehmer seinen nächsten PC wieder mit einem Betriebssystem einkauft oder gar einfach nur seinen alten PC mit Betriebssystem entsorgt. 10 Mio. Betriebssysteme stellen aber einen Wirtschaftswert von gut 2 Mrd. DM dar, die sollte man nicht verschwenden", argumentiert Waibel und wirft Microsoft den Fehdehandschuh hin: "So kann Deutschland 2 Mrd. sparen, die sonst unnütz an einen amerikanischen Konzern gehen würden."

Über ein Web-Formular nimmt Waibel Angebote für gebrauchte Windows-Lizenzen entgegen. Die PC-Hersteller will maximal 65 Mark für Windows 98 SE oder ME und 85 Mark für NT oder 2000 zahlen. Auf den Bestellseiten tauchen die Second-Hand-Betriebssysteme dann für 95 Mark (SE und ME) beziehungsweise 135 Mark (NT und 2000) wieder auf. Offenbar gibt es die Gebraucht-Lizenz nur zusammen mit einem neue Waibel-System – auf den Web-Seiten findet sich jedenfalls keine Bestellmöglichkeit ohne PC.

Rechtliche Bedenken bei Anbietern und Kunden bemüht sich Waibel von vornherein zu zerstreuen: "Sie brauchen keine Angst haben, Software ist kein anderes Wirtschaftsgut als z.B. ein Automobil. Und hier ist ja völlig normal, dass es mehrere Nutzungen hintereinander von diesem gibt. Man hat uns nur durch kluges Marketing versucht, die Sachlage etwas anders darzustellen."

In der Tat findet Microsoft offenbar keine rechtliche Handhabe gegen die pfiffige Idee, die ganz und gar der Lizenzstrategie des Softwareriesen zuwider läuft. Microsoft-Sprecher Thomas Jensen sagte auf Nachfrage von heise online, man sei über das Angebot informiert und prüfe den Fall. Eine Stellungnahme dazu könne er noch nicht abgeben.

Seit dem Urteil des BGH gilt es als rechtlich gesichert, dass der Verkauf von Windows-Lizenzen unbedenklich ist, sofern diese nicht durch technische Einrichtungen mit der Hardware verbunden sind. Eine solche verdongelte Version aus zweiter Hand wäre allerdings für den Käufer vermutlich wertlos. Das Aufheben einer solchen Sperre könnte einen rechtswidrigen Eingriff in das urheberrechtlich geschützte Werk darstellen. Ob Waibel überhaupt solche Versionen aufkauft, ist dem Angebot derzeit nicht zu entnehmen; jedenfalls behält sich die Firma den Rücktritt vom Kauf "bei Nichtgefallen oder anderen Mängeln" vor.

Waibels Beziehungen zu Microsoft sind stark gestört, seit der PC-Hersteller an einen c't-Testkäufer ein Windows 98 ohne Echtheitszertifikat verkauft hat. Microsoft teilte mit, Waibel habe sich unterdessen geweigert, die geforderte Verpflichtungserklärung abzugeben, und sei daher auf Unterlassung und Schadenersatz verklagt worden. Die Klage ist beim Landgericht Mannheim anhängig. Bis es von dort Neuigkeiten gibt, scheint Waibel jedenfalls eine alternative Bezugsquelle für Windows-Lizenzen gefunden zu haben. Geschäftsführer Andreas Waibel war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen; die Pressesprecherin der Firma wollte sich nicht äußern. (ps)