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"Wir haben es vergeigt": Online-Werbeverband IAB gelobt Besserung

Nachdem die Werbe-Organisation IAB Adblockern den Kampf angesagt hat, sucht sie nun auch die Schuld in der eigenen Branche und verspricht Besserung. Künftig soll es weniger aufdringliche Werbung geben.

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"Wir haben es vergeigt" – mit dieser bemerkenswert offenen Botschaft versucht das Interactive Advertising Bureau (IAB), die wichtigster Branchenorganisation für Online-Werbung, der ansteigenden Nutzung von Adblockern entgegenzutreten. In einem emotionalen Beitrag weist der für Technik zuständige IAB-Manager Scott Cunningham der eigenen Branche eine Mitschuld an der Werbemüdigkeit des Publikums zu.

"Als Technologen, die damit betraut waren dem Nutzer Inhalte und Dienste zu liefern, haben wir aus dem Auge verloren, wie der Nutzer unsere Arbeit wahrnimmt", schreibt Cunningham. So hätte sich die Werbeindustrie darauf konzentriert, die Werbeauslieferung zu automatisieren und die Marketing-Budgets so gut wie möglich auszuschöpfen. "Dies hat den Nutzer überwältigt, seine Geräte entwertet, seine Geduld überfordert", erklärt der Manager. Als Beispiel nennt er Webseiten, die mit Werbung überhäuft sind und das derzeit zu penetrante "Retargeting", bei dem Konsumenten immer wieder Produkte präsentiert bekommen, die sie schon einmal angesehen hatten.

Die Lösung soll ein neuer Kodex sein. Das neue Programm unter dem Kürzel "LEAN" steht für "Light, Encrypted, Ad choice supported, Non-invasive ads": Künftig sollen Anzeigen also seltener und weniger aufdringlich sein, verschlüsselt übertragen werden und dem Nutzer eine Möglichkeit geben, mitzuentscheiden, welche Werbung er sieht. Die Forcierung verschlüsselter Werbung ist allerdings auch im Eigeninteresse der Werbeindustrie: Eine funktionierende Verschlüsselung kann verhindern, dass Provider oder VPN-Anbieter Werbung zentral ausfiltern.

Ein bisher unbekanntes Gremium soll die neuen Prinzipien schlanker Werbung ausarbeiten und dabei Stimmen möglichst vieler Beteiligter einholen. Adblock Plus-Hersteller Eyeo hatte vor kurzem ein ähnliches Gremium angekündigt. Ein Friedensangebot an die Adblocker-Hersteller ist der Kurswechsel der Werbeorganisation allerdings nicht. Erst kürzlich hatte die IAB diesen mit markigen Worten den Kampf erklärt. Die internationale Branchenorganisation arbeitet auch weiter daran, Webseiten-Betreibern Mittel zur Erkennung und gegebenenfalls zur Blockade von Adblock-Nutzern zur Verfügung zu stellen.

Hier ergreifen aber schon viele Webseiten Initiative. So hat bild.de sein kostenloses Angebot für Adblock-Nutzer gesperrt. Auf der Webseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung appelliert Online-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron an die Leser, zumindest sein Angebot auf die Whitelist zu setzen: "Auf unserer Webseite finden Sie in der Regel keine Pop-Ups, Layer oder ähnliche aggressive Werbeformen, sondern meist klassische Anzeigen", schreibt von Blumencron. Dies sei ein geringer Preis für das reichhaltige Angebot. (jo)

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