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Wir verbrennen Kohle wie noch nie

Noch nie hat die Welt so viel Kohle verbraucht wie 2018. Sie ist die wichtigste Stromquelle überhaupt.

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Windrad, dahinter Kühltürme eines Kohlekraftwerks

Kohlekraftwerk und Windrad

(Bild: gemeinfrei)

Der Weltenergieverbrauch ist 2018 um 2,3 Prozent angestiegen, der Strombedarf um vier Prozent. Das geht aus dem Energie- und CO2-Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. Zwar setzt die Menschheit Energie auch etwas effizienter ein, doch kann das den Bedarfszuwachs nicht abdecken. Sowohl erneuerbare Energieträger als auch Atomkraft und fossile Energieträger legen zu, bei letzteren wächst Erdgas am stärksten. Aber auch beim Kohleverbrauch gibt es neue Rekorde.

In Summe steigt der CO2-Ausstoß laut IEA weiter an. Die Ziele des Übereinkommens von Paris, nämlich eine deutliche Senkung des Treibhausgasausstoßes, rücken damit immer weiter weg. "Wir haben 2018 einen außerordentlichen Anstieg beim globalen Energieverbrauch gesehen, mit dem schnellsten Wachstum dieser Dekade", sagte IEA-Chef Fatih Birol, "Letztes Jahr war auch ein weiteres Goldenes Jahr für Erdgas, das fast die Hälfte des Zuwachses des Weltenergieverbrauchs stellt. Trotz starken Wachstums bei erneuerbaren Energieträgern, steigen die weltweiten Emissionen noch immer."

Der Primärenergieverbrauch ist 2018 um 2,3 Prozent auf 14.301 Megatonnen Öleinheiten (Mtoe) gestiegen. Den höchsten Zuwachs gab es mit 14 Prozent bei "sonstigen" erneuerbaren Energieträgern, wozu vor allem Sonne und Wind gehören, aber etwa auch Gezeitenkraft und Geothermie. Diese "Sonstigen" stellten damit 289 Mtoe oder zwei Prozent des Primärenergieverbrauchs. Konstante Wachstumsraten angenommen, könnten die "sonstigen" Erneuerbaren in wenigen Jahren die Wasserkraft einholen.

Größter Primärenergieträger bleibt Öl mit 4488 Mtoe (+1,2 %), gefolgt von Kohle (+0,7 % auf 3778 Mtoe), Gas (+4,6 % auf 3253 Mtoe), Biomasse und Müllverbrennung (+2,5 % auf 1418 Mtoe), Nuklearenergie (+3,3 % auf 710 Mtoe), Wasserkraft (+3,1 % auf 364 Mtoe) und eben den sonstigen Erneuerbaren.

Bei den "Marktanteilen" liegen nur Öl und Atomkraft unter ihrem Anteil des Jahres 2000. Alle anderen, inklusive Kohle, haben zugelegt. Nie hat die Welt mehr Kohle verbraucht als 2018. Mehr als die Hälfte entfällt auf die Volksrepublik China.

Die Stromerzeugung wächst schneller als der Primärenergieverbrauch und tastet sich damit an die Marke von 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs heran. Zu den Treibern zählt neben Wirtschaftswachstum auch der Klimawandel: Es wird mehr geheizt und mehr gekühlt. Hinzu kommen enorme Fortschritte bei der Elektrifizierung. So haben etwa seit vergangenem Jahr alle Dörfer Indiens Strom.

2018 hat die Welt 26.672 Terawattstunden (TWh) Strom genutzt. Die mit Abstand größte Stromquelle ist Kohle, die erstmals mehr als 10.000 TWh geliefert hat (+2,6 % auf 10.116 TWh). Dahinter folgen Gas (+4 % auf 6091 TWh), Wasserkraft (+3,1 % auf 4239 TWh), Atomstrom (+3,3 % auf 2724 TWh) und Windkraft (+12,2 % auf 1217 TWh).

Weniger eingesetzt wurde nur die Stromquelle Öl (-3,9 % auf 903 TWh). Kleinere Beiträge kommen noch von Biomasse und Müllverbrennung (+7,7 % auf 669 TWh), Solarstrom (+31,2 % auf 570 TWh) und sonstigen erneuerbaren Stromquellen (+4,2 % auf 144 TWh).

Von 2013 bis 2016 sind die energiebezogenen CO2-Emissionen stagniert, haben in den letzten beiden Jahren aber wieder zugelegt. Das Plus von 1,7 Prozent im Jahr 2018 bedeutet, dass ein Rekordausstoß von 33,1 Gigatonnen (Gt) CO2 erreicht wurde. Die fortschreitende Verbreitung erneuerbarer Energieträger kann das nicht verhindern, aber die CO2-Zuwachsrate immerhin unter der Zuwachsrate des Energieverbrauchs (+2,3 %) halten.

Werbeplakat für die Kohleindustrie in Michigan

(Bild: America's Power CC-BY 2.0)

Die mit Abstand größte CO2-Quelle ist die Verstromung von Kohle, die alleine 30 Prozent oder 10,1 Gt stellt. Dazu kommen weitere 4,5 Gt CO2 aus anderweitiger Verbrennung von Kohle. Die intensivste Kohleverstromung gibt es in Asien, und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern: Die IEA weist darauf hin, dass asiatische Kohlekraftwerke im Schnitt erst zwölf Jahre alt sind. Sie haben also noch Jahrzehnte vor sich, bevor sie ihre Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren erreicht haben.

85 Prozent der weltweiten Zunahme des energiebezogenen CO2-Ausstoßes kamen 2018 aus China (+2,5 %), Indien (+4,8 %) und den USA (+3,1 %). Letzteres führt die IEA auf ungewöhnlich kalte Temperaturen in Nordamerika zurück. Die USA liegen damit allerdings immer noch ungefähr auf dem Niveau von 1990. Sie haben seit dem Jahr 2000 ihren energiebezogenen CO2-Ausstoß um 14 Prozent oder 800 Megatonnen gesenkt. Das ist der größte absolute CO2-Rückgang aller Länder in dem Zeitraum.

In Deutschland (-4,5 %), Japan, Mexiko, Frankreich und Großbritannien war der CO2-Ausstoß 2018 rückläufig. Großbritannien verzeichnet nun schon sechs rückläufige Jahre in Folge und erreicht damit sogar eines der niedrigsten CO2-Niveaus seit 130 Jahren. (ds)