Wirbel um den Deutschen Internet Award Neo

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Mit viel Trara verliehen T-Online und Größen der Medienbrache wie RTL, Viva, oder die Bunte den "Deutschen Internet Award" Neo. Doch schon während der laufenden Wahlen riefen einige Teilnehmer laut "Betrug": Sie vermuteten, dass die Moderatoren willkürlich in die Rankings eingreifen würden.

Die beliebtesten und innovativsten Seiten konnten Besucher der Seite Neo-Award.de über ein Web-Formular wählen. Eine mutige Aktion, bedenkt man die überall bei solchen Wahlen anzutreffende Manipulation. Um davor gefeit zu sein, erlaubten die Veranstalter per PHP-Skript die Stimmabgabe nur einmal pro Woche und E-Mail-Adresse. Allerdings bekommt jeder Sammler im Internet Adressen geradezu nachgeworfen -- wer gar einen Mailserver betreibt, hat sowieso einen unbegrenzten Vorrat. Daher mussten so genannte Wahlhelfer suspekte Einträge (massenhaft Stimmen mit skriptverdächtigen Mail-Adressen innerhalb sehr kurzer Zeit) beurteilen und gegebenenfalls löschen.

Programmierer der Bonner twisd AG allerdings strickten ein kurzes Programm, das auf Basis einer simplen User-Passwort-Textliste Seiten in den Neo-Himmel loben konnte. Das tat es dann auch mit der hauseigenen Web-Präsenz bilder.de, die innerhalb weniger Minuten von Platz 47 auf Platz 6 rauschte. Zufrieden mit diesem ersten Beweis der Manipulierbarkeit pfiff der Tester das Programm zurück. Die Neo-Leute schliefen jedoch auch nicht, warfen die Skriptstimmen heraus und bilder.de damit auf Platz 85 zurück. Der Programmierer vermutet auch, die Seite wäre auf dieser Position mit einer unveränderlichen, fest codierten Ranking-Eintragung festgenagelt.

Wäre dies der Fall gewesen, könnten bösartige Zeitgenossen auch unliebsame Konkurrenz aus dem Weg räumen: Denn wer einen unglaubwürdig großen Berg an Stimmen in sehr kurzer Zeit erhält, wird als Schummler auf hintere Plätze abgeschoben. Techniker von Neo erklärten jedoch gegenüber heise online, dass nur die verdächtigen Stimmen entfernt worden seien, wodurch die schummelnden Chartstürmer eben wieder auf die hinteren Ränge abstürzten. "Das haben viele versucht. Nicht immer waren es die Seitenbetreiber, sondern eingeschworene Fans. Solche Aktionen führten natürlich zu Verärgerung bei den Betreibern, die abrupt weit nach hinten fielen, ohne selbst gemogelt zu haben", meinte der Techniker weiter.

Die Maßnahmen gegen Manipulation sehen die Neo-Leute als ausreichend und dem Zweck entsprechend an. Anhand detaillierter Protokolle konnten die Mitarbeiter genau sehen, wer wann für wen von wo gestimmt hatte. Kometenhafte Aufstiege wurden immer einer genaueren Prüfung unterzogen. Die Technik schätzt ihr Verfahren sehr erfolgreich ein: Nur wenige schwarze Schafe könnten durchgekommen sein.

Und weil's so schön war, sieht das neue Jahr 2002 eine Fortsetzung des Neo Award. Die vielen Partner, auch im Fernsehen, seien zufrieden gewesen. (cgl)