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"Wired"-Gründer Louis Rossetto auf der BerlinBeta

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Den krönenden Abschluss der "crossmedialen" Konferenz BerlinBeta, die im Rahmen der Internationalen Medienwoche Berlin nächste Woche stattfindet, wird ein Erfahrungsbericht der amerikanischen Medienlegende Louis Rossetto bilden. Der Mitgründer des Kultmagazins Wired wird am 1. September Abends über die Geschichte des Blattes sowie den Aufstieg und Fall des inzwischen aufgelösten Unternehmens "Wired Ventures" berichten, der typisch ist für die gesamte New Economy.

Die Idee für "Wired", das während seiner Hochzeit als das "Hausblatt der digitalen Revolution" gefeiert wurde, kommt Rossetto zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jane Metcalfe und dem Designer John Plunkett 1991. Das Pärchen lebt zuvor in Amsterdam, wo Rossetto beim Magazin "Language Technology" (später: "Electronic Word") mitarbeitet, das 1989 allerdings pleite geht. Von San Francisco aus planen die Macher ein Magazin für die digitale Generation, für das sie nach langer Suche 1992 endlich ein paar Investoren – darunter der Direktor des Media Labs am MIT, Nicholas Negroponte – finden. Im Januar 1993 erscheint die Erstausgabe des ersten professionellen Computer-Lifestyle-Magazins, das sich mit ausführlichen Geschichten rund um alles, was sich mit der Vorsilbe "Cyber" verbinden lässt, und um die Internet-Startups einen Namen macht.

Der Erfolgt des Blatts steigt Rossetto bald zu Kopf: "Wired Ventures" soll zur Dachmarke für das Online-Magazin Hotwired, eine TV-Sendung, einen Buchverlag und zahlreiche andere Tochterunternehmen werden – und natürlich an der Börse Millionen einspielen. Doch die Investoren verschmähen das Unternehmen gleich zweimal, was Rossetto als Geschäftsmann unglaubwürdig erscheinen lässt. Er zieht sich immer mehr aus dem Unternehmen zurück, trennt sich von einzelnen Unternehmensarmen oder stellt sie ein und verkauft schließlich im Mai 1998 das Heft selbst an Condé Nast, einen der "verhassten" Ostküsten-Glamour-Verlage.

Inzwischen leben Rossetto und Metcalfe wieder in Amsterdam, wo sie das Frührentnerdasein genießen. Man darf gespannt sein, was der wegen seiner cyberlibertären Ansichten nicht ganz unumstrittene Blattmacher in Berlin zu berichten weiß. (Stefan Krempl) / (jk)