Wirtschaftsforscher: 2019 neuer Rekord bei Retouren im Onlinehandel

Auf 300 Millionen Pakete schätzen Forscher die Menge, die Kunden 2019 in Deutschland haben zurückgehen lassen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 46 Beiträge

(Bild: Nice to meet you / Shutterstock.com)

Von

2019 dürfte im deutschen Onlinehandel ein neuer Rekord an Retouren erreicht worden sein: 500 Millionen Artikel beziehungsweise 300 Millionen Pakete wurden laut Schätzung der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg von den Kunden zurückgeschickt. "Durch das Wachstum der Branche steigen die Retourenzahlen absolut weiter an“, sagte Forschungsgruppenleiter Björn Asdecker der Wirtschaftswoche.

Für das Jahr 2018 hatten die Forscher noch die Zahl von 487 Millionen Artikeln beziehungsweise 280 Millionen Paketen ermittelt. Die Quote der zurückgeschickten Artikel liege konstant bei 13 Prozent.

Direkte Maßnahmen gegen die Rücksendeflut scheinen die Onlinehändler meist zu scheuen. "Die Angst davor, dass ein Kunde einen Bestellvorgang abbrechen könnte, ist viel größer als die Angst vor einer Rücksendung", führte Asdecker dem Bericht der Wirtschaftswoche nach aus. Vor allem versuchten die Händler wohl, über umfassendere Produktinformationen die Rückläufe zu vermeiden.

Ein wirksames Mittel wäre nach Ansicht der Forscher die Einführung von Retourengebühren. Laut Studienergebnissen vom Dezember erheben aber gerade mal 15 Prozent der Onlinehändler solche Entgelte, zumeist kleinere Shops. Große Anbieter wie Zalando oder Otto wollen bei kostenlosen Retouren bleiben. Auch eine gesetzlich vorgeschriebene Gebühr scheint keinen großen Anklang in der Branche zu finden. So etwas dürfe nur "das letzte Mittel im Fall eines Marktversagens sein", hieß es vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel.

Zu Gesamtkosten und Umweltbelastung durch die Retourenmenge im Jahr 2019 legten die Forscher noch keine Schätzungen vor. 2018 ging man von rund 5,5 Milliarden Euro sowie einer entstandenen CO2-Menge von 238.000 Tonnen aus. Insbesondere der Umstand, dass zurückgeschickte Waren teilweise im Müll landen, sorgte für eine breite Debatte. Die Wissenschaftler schätzten für 2018, dass rund 20 Millionen Artikel nach Rücksendung weggeworfen wurden statt sie etwa als B-Ware zu verkaufen oder zu spenden. (axk)