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Wissenschaftler fordert mehr Diskretion bei VroniPlag

Die Arbeit der VroniPlag-Enthüller wird mittlerweile mit einigem Wohlwollen und Respekt von der Wissenschaft beobachtet. Der oberste Qualitätsschützer für die Forschung wünscht sich aber mehr Diskretion in der Anfangsphase eines Plagiatsverdachts.

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Illustration zu der Doktorarbeit von Silvana Koch-Mehrin

(Bild: VroniPlag)

Der wichtigste Experte für korrekte wissenschaftliche Arbeit in Deutschland, Prof. Wolfgang Löwer, hat Plagiatsforscher wie VroniPlag zu mehr Sensibilität für Persönlichkeitsrechte aufgerufen. Dies müsse gerade auch für Politiker oder sonstige Prominente gelten, deren Doktorarbeiten bei der Internetplattform unter Verdacht stehen. "Wer beobachtet wird – das behandeln sie diskret", sagte der oberste Ombudsmann der Deutschen Presse-Agentur zum fünfjährigen Bestehen von VroniPlag Wiki.

Der Vorläufer zu VroniPlag war GuttenPlag. Kurz nach den ersten Veröffentlichungen zu Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit unter GuttenPlag, bekamen die Plagiatjäger Hinweise zu Fehlern in der Arbeit von Veronica Saß, Edmund Stoibers Tochter. VroniPlag wurde eingerichtet.

(Bild: GuttenPlag)

"Nicht diskret behandeln sie ihre Verdachtsfälle. Jede Nennung von VroniPlag führt ja schon zu größten, vorverurteilungsähnlichen Konsequenzen. Das ist problematisch." Die Nachforschungen von VroniPlag führten zu Titelverlust und Rücktritt der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin und von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).

Löwer betonte, es sei völlig in Ordnung, "dass die Dinge öffentlich werden, wenn etwas dran ist. Es ist aber nicht richtig, dass sie öffentlich werden, solange sie noch untersucht werden." VroniPlag mache seine Arbeit, "um die Universitäten unter Druck zu setzen". Er sähe es allerdings lieber, wenn Verdachtsfälle zunächst an die zuständigen Einrichtungen der Hochschulen, also etwa Ombudsleute, abgegeben würden. "Und wenn die dann nichts machen, bin ich einverstanden, dass die Öffentlichkeit informiert wird."

Der Bonner Wissenschaftsrechtsprofessor hat insgesamt jedoch viel Respekt vor der Plagiatdokumentations-Plattform: "VroniPlag macht eine beachtliche Arbeit. Es ist ja nicht so, dass sie das Zeug durch irgendein beliebiges Wortvergleichssystem schicken würden." Standardsoftware-Programme eigneten sich lediglich, "um in studentischen Arbeiten Pfusch zu entdecken. Für wissenschaftlich anspruchsvolle Arbeiten genügt das nicht", betonte Löwer.

Verglichene Passagen einer Doktorarbeit auf VroniPlag.

(Bild: VroniPlag )

Die VroniPlag-Forscher machten sich "enorme Mühe, das Umfeld einer Arbeit abzugleichen. Das ist sehr aufwendig." Diese Leute hätten in fünf Jahren immerhin Fälle aufgedeckt, "die eine Titel-Entziehung gerechtfertigt haben oder zumindest eine intensive Prüfung. Darüber kann und darf das Wissenschaftssystem sich nicht beschweren." In der deutschen Forschung sei – trotz aller Verbesserungen etwa durch Ombudsleute – bei der Qualitätssicherung durchaus noch "Luft nach oben", sagte Löwer.

"Der hauptsächlich eintretende Effekt ist natürlich, dass die Fälle der Erwischten Abschreckungswirkung haben. Man darf im Moment vermuten, dass nur dreiste Leute noch auf die Idee kommen, mit einem Plagiat durchzukommen. Zumal man auch beobachten konnte, welche sozialen Folgen das Erwischtwerden nach sich zieht.» (kbe)

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