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Wissenschaftliche Studien werden immer unlesbarer

Mit Hilfe von Lesbarkeitsformeln haben Forscher untersucht, wie sich die Verständlichkeit wissenschaftlicher Texte über die letzten 130 Jahre entwickelt hat.

Wissenschaftliche Paper immer unlesbarer

(Bild: Jean-Etienne Minh-Duy Poirrier / Flickr / cc-by-sa-2.0)

Informationsvermittlung bedingt, dass Texte für den durchschnittlichen Leser verständlich sind. Doch gilt das auch für wissenschaftliche Beiträge? Laut einer neuen Studie, die am Institut für klinische Neurowissenschaften des Karolinska Institutet in der Nähe von Stockholm durchgeführt wurde, lautet die Antwort eher nein. Das Forscherteam untersuchte 710.000 Kurzreferate (Abstracts) aus 123 biomedizinischen wissenschaftlichen Zeitschriften, die zwischen 1881 und 2015 in englischer Sprache erschienen sind. Dabei zeigte sich, dass die Komplexität der Texte zunahm.

Die verwendeten Methoden waren der Lesbarkeitsindex nach Flesch und die New Dale-Chall-Lesbarkeitsformel. "Die drei Hauptkomponenten dieser Formeln sind erstens wieviele Wörter pro Satz ein Text durchschnittlich beinhält, zweitens wieviele durchschnittliche Silben pro Wort ein Text hat und drittens wie schwierig die verwendeten Wörter in einem Text sind", erklärt Björn Christian Schiffler, einer der Autoren, gegenüber der Online-Ausgabe von Technology Review ("Kompliziert, komplizierter, wissenschaftlicher Text").

"Wir haben festgestellt, dass die Anzahl der schwierigen Wörter und die durchschnittlichen Silben pro Wort seit Ende des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zunehmen", so Schiffler. Seit 1960 nehme auch die durchschnittliche Anzahl der Wörter pro Satz zu. Die Zahl der Fachwörter stieg zudem an – und zwar nicht nur diejenigen, die in der Wissenschaft zwingend notwendig sind. Besonders auffällig ist laut der Forscher auch die zunehmende Nutzung unnötigen wissenschaftlichen Jargons.

Problematisch an der Entwicklung sei, dass die Zugänglichkeit wissenschaftlicher Texte abnehme. Es gibt zwar keine Zahlen, wie stark schlecht lesbare Paper ihre Rezeption reduzieren. Es sei aber anzunehmen, dass durch die reduzierte Lesbarkeit mehr Menschen auf Sekundärquellen – etwa journalistische Artikel über den Originalartikel – angewiesen seien. "Zudem kommt hinzu, dass abnehmende Lesbarkeit auch die Arbeit von Wissenschaftsjournalisten schwieriger macht."

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